Kein Raum den Identitären

Am 23.Februar kommt der Kopf der sogenannten Identitären Bewegung Österreichs, Martin Sellner, zu einem Vortrag unter dem Titel „Europa zwischen Identität und Multikulti“ nach Greifswald.
Für die sogenannte „Neue Rechte“ sind Veranstaltungen wie diese von großer Bedeutung, vor allem zu dem Zweck, sich tiefer im burschenschaftlichen Spektrum zu verankern, neue Mitglieder zu rekrutieren und neuste strategische Überlegungen an die Basis zu vermitteln. Martin Sellner ist vor allem für die jüngeren Anhänger der „neuen Rechten“ über seine mediale Präsenz als führender Kader der Identitären von Bedeutung und verfügt über beste Kontakte zu Götz Kubitschek, dem Chefideologen der „Neuen Rechten“ rund um das „Institut für Staatswissenschaften“ und der Zeitschrift Sezession.

Die sogenannte Identitäre Bewegung ist eine rassistische Gruppierung, die versucht über moderne Aktionsformen verstaubte rechte Konzepte salonfähig zu machen.
Indem sie sich hinter scheinbar harmlosen Begriffen, wie Kultur und Vielfalt der Ethnien verstecken, präsentieren sie sich auf ihren Medienkanälen als unbedenkliche patriotische Alternative zu offen auftretenden Nazistrukturen.
Ein Blick in die Vita zahlreicher Aktivist*innen der Identitären zeigt, dass diese vielfach in Jugendorganisationen von faschistischen Parteien wie der NPD und in Kameradschaften sozialisiert wurden. Daher ist naheliegend, dass diese Abgrenzung eher strategischer Natur ist, um gesellschaftlich anschlussfähiger zu werden.

Diese Strategie der Identitären hat jedoch nur ohne Widerspruch Erfolg. Mit einem scharfen zivilgesellschaftlichen Gegenwind können humanistische Ideale in einem sich nach rechts verschiebenden Diskurs verteidigt werden.
Am 23. Februar geht es in Greifswald nicht bloß darum eine Veranstaltung zu stören, sondern die „Neue Rechte“ massiv in ihrem Aufbau zu behindern.

Flyer_Front

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Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

„Es war kein Wachtraum, ein lebender Toter stand mir gegenüber. Hinter ihm waren im nebligen Dunkel Dutzende anderer Schattenwesen zu erahnen, lebende Skelette. Die Luft roch unerträglich nach Exkrementen und verbranntem Fleisch. Ich bekam Angst, mich anzustecken, und war versucht wegzulaufen. Und ich hatte keine Ahnung, wo ich war. Ein Kamerad sagte mir, wir seien in Auschwitz. Es war uns klar, dass etwas Schreckliches über diesem Ort lag: Wir fragten uns, wozu all die Baracken, die Schornsteine und die Räume mit den Duschen gedient hatten, die einen seltsamen Geruch verströmten. Ich dachte an ein paar Tausend Tote – nicht an Zyklon B und das Ende der Menschlichkeit.“

Jakow Wintschenko – Soldat der Roten Armee,
die das Vernichtungslager Auschwitz am
27.Januar 1945 befreite

Seit 1996 wird in Deutschland am 27. Januar offiziell der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. 2005 wurde der Tag international zum Holocaust-Gedenktag. Hier eine Übersicht zu diesjährigen Veranstaltungen in Greifswald:

25.01. / 20:00 / Koeppenhaus – Literaturzentrum
DIE GUTEN FEINDE – Mein Vater, die Rote Kapelle und ich
Der Filmemacher Christian Weisenborn erzählt in DIE GUTEN FEINDE das dramatische Leben seines Vaters.
Günther Weisenborn, Schriftsteller und Mitglied der Widerstandsgruppe Rote Kapelle, entkommt der Hinrichtung durch die Nazis nur knapp. 59 seiner Mitstreiter werden hingegen 1942 hingerichtet, unter ihnen seine Freunde Harro Schulze-Boysen und Arvid Harnack. Bis zu seinem Tod 1969 versucht Weisenborn zusammen mit Adolf Grimme, die zu Tode verurteilten Freunde zu rehabilitieren und den verantwortlichen Nazi-Richter Manfred Roeder zur Rechenschaft zu ziehen – vergeblich. Denn in der BRD gelten die Mitglieder der Gruppe als KGB-Agenten und Vaterlandsverräter. Selbst Stern und Spiegel gehen den Naziseilschaften, die bis in den BND reichen, auf den Leim. Und in der DDR wird die Geschichte der Widerstandskämpfer für kommunistische Propaganda missbraucht. Erst 2009 werden die Urteile gegen die Rote Kapelle offiziell aufgehoben.

27.01. / 19:00 / Pommersches Landesmuseum
Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus „Verfolgte Sozialdemokraten“ 
Die SPD war im März 1933 die einzige Partei im Reichstag, die das Ermächtigungsgesetz als wesentliche Grundlage zur Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur ablehnte. In der Folge wurde die SPD verboten und die Gewerkschaften zerschlagen. Zahlreiche Mitglieder gingen ins Exil. Andere, die im Land geblieben waren, wurden zeitweilig inhaftiert oder langjährig in Konzentrationslagern festgehalten und ermordet.
Die reichsweite Dimension dieser Verfolgung wird Bernward Dörner (Berlin) skizzieren, bevor Detlev Brunner (Leipzig) stellvertretend das Schicksal des Stettiner Sozialdemokraten Fritz Lamm (1911-1977) schildern wird. 

31.01. / 19:00 / Pommersches Landesmuseum
Nordoststreifen zum Gedenktag für die Opfer des NS: „Nachlass“ 
Doku von Christoph Hübner
Tiefgründige Reflexion über unsere Erinnerungskultur anhand von Gesprächen mit Kindern und Enkeln von NS-Tätern sowie Nachfahren von Überlebenden des Holocaust. 

01.02. / 20:00 / Koeppenhaus – Literaturzentrum
L’CHAIM – Auf das Leben! Ein Film als ein Hoch auf das Leben.
Bevor er zum erfolgreichen Geschäftsmann in New York und professionellen Schachspieler in St. Tropez wurde, hatte Chaim Lubelski bereits ein ziemlich wildes Leben geführt. Deutschland, Paris, London und Afghanistan – vom Hippiedasein bis zum Dealer – er hat nichts ausgelassen. Als seine Mutter krank wird und Hilfe benötigt, entscheidet er sich, mit 63 Jahren in Antwerpen mit ihr zusammen zu ziehen. Er opfert sich für sie mit Hingabe auf und sieht es als seine Mission an, ihren Schmerz zu vertreiben, gerade da sie eine Überlebende des Holocausts ist. Das gemeinsame Leben der beiden ist von Zärtlichkeit, liebevollen Sticheleien und Humor geprägt. Mit großer Nähe begleiteten wir ihren Alltag, teilen ihre Gedanken und ihr Lachen.
Ein bewegender Dokumentarfilm über eine faszinierende, charismatische Persönlichkeit, deren Name auch einen Wunsch beinhaltet: L’Chaim! Ein Film als ein Hoch auf das Leben.

SEEBRÜCKE – Schafft sichere Häfen

Menschen auf dem Mittelmeer sterben zu lassen, um die Abschottung Europas weiter voranzubringen und politische Machtkämpfe auszutragen, ist unerträglich und spricht gegen jegliche Humanität. Migration ist und war schon immer Teil unserer Gesellschaft! Statt dass die Grenzen dicht gemacht werden, brauchen wir ein offenes Europa, solidarische Städte, und sichere Häfen.

Die SEEBRÜCKE ist eine internationale Bewegung, getragen von verschiedenen Bündnissen und Akteur*innen der Zivilgesellschaft. Wir solidarisieren uns mit allen Menschen auf der Flucht und fordern von der deutschen und europäischen Politik sichere Fluchtwege, eine Entkriminalisierung der Seenotrettung und eine menschenwürdige Aufnahme der Menschen, die fliehen mussten oder noch auf der Flucht sind.

Auch in Greifswald gab es mit einer Kundgebung auf dem Markt und verschiedenen Aktionen rund um das Fischerfest Gaffelrigg schon zwei Aktionen, um die Initiative zu unterstützen, denn #seenotrettungistkeinverbrechen!

Schafft sichere Häfen! Kundgebung auf dem Marktplatz in Greifswald from Seebrücke Greifswald on Vimeo.

weitere Infos zur Kampagne: https://seebruecke.org/wp/
weitere Infos zu den Aktionen in Greifswald: https://de.indymedia.org/node/22656

Kein Schlussstrich

Kundgebung am 11.07. zur Urteilsverkündung im NSU-Prozess

„Eines aber können wir tun: Nicht aufhören zu fragen.
Wir alle sollten auch nach diesem Prozess nicht aufhören, nach Antworten zu suchen. Vielleicht werden wir nie alles erfahren, aber wir werden die unzähligen Puzzleteile sammeln und zusammenfügen, bis das Bild der Wahrheit vor unseren Augen zu erkennen ist.
Dann müssen auch alle anderen hinsehen.“

… aus dem Schlußplädoyer von Yvonne Boulgaridis im NSU-Prozess

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Update zum Salon de la Critique

ACHTUNG folgende Veranstaltung findet NICHT am 21.06. sondern am 22.06. um 20.00 Uhr im Ikuwo (Goethestraße 1, 17489 Greifswald) statt:

Dias de lucha, Dias de Luto – Unter dem Plastik der Strand

Filmvorführung mit anschließendem Gespräch mit dem Interbrigadas e.V. und der Regisseurin Aline Juárez

Auf der letzten Reise des Berliner Vereins Interbrigadas e.V. zur
Basisgewerkschaft SOC-SAT in das Plastikmeer von Almería ist der Film „Días de Lucha, Días de Luto – Unter dem Plastik der Strand“ entstanden.
Die Gewerkschaft arbeitet in Andalusien mit vor allem migrantischen TagelöhnerInnen zusammen, die unter widrigsten Bedingungen einen Großteil des Gemüses produzieren, das wir täglich in europäischen Supermärkten kaufen und kosumieren.
Die ArbeiterInnen leiden massiv unter dem kapitalistischen Ausbeutungsverhältnis und sind zugleich Opfer rassistischer Übergriffe seitens der spanischen Mehrheitsgesellschaft
und ihrer Institutionen. Zu Beginn ihres einmonatigen Aufenthalts in Almería lernten die Brigadist*innen 22 Arbeiter*innen kennen, die aus einem Gewächshausbetrieb entlassen wurden. Sie wurden auf die Straße gesetzt, weil sie sich zuvor mit Hilfe der Gewerkschaft gegen ihre präkeren Arbeitsbedingungen erfolgreich zur Wehr setzten. Die Brigadist*innen begleiteten und unterstützten den Arbeitskampf der 22 und bauten eine innige, solidarische Beziehung zu ihnen auf. Im Zentrum des Films stehen zum einen die 22 Arbeiter*innen und der tragische
Todesfall des Marokkaners Hamid M., der bei einer Polizeikontrolle ums Leben kam.

Im Anschluss an den Film wollen wir mit euch über die Produktions- und Beschäftigungsbedingungen der LandarbeiterInnen und die Perspektiven des Widerstands ins Gespräch kommen. Wir wollen diskutieren was wir hier in
Deutschland konkret tun können, um gemeinsam für eine Veränderung der menschenunwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen in Almería einzustehen.

Do you care?

Redebeitrag der Gruppe Defiant

Als Kampftag der Arbeit ist der 1. Mai ein festes Datum organisierter Proletarier_innen. Die popularisierten Themen reichen vom gewerkschaftlichen Kampf für bessere Bedingungen am Arbeitsplatz bis zur Dekonstruktion der Warengesellschaft und dem Streben nach ihrer Überwindung. Im Fokus liegt dabei allerdings selten die Arbeit, die die Arbeitskraft und das Soziale insgesamt reproduziert. Gemeint sind alle Tätigkeiten der personenbezogenen Selbst- und Fürsorge, auch Sorgearbeit oder kurz Care genannt. Dazu zählen Arbeiten im Haushalts- und Wohnbereich, Pflege, Gesundheitswesen, Erziehung/Bildung, Assistenz sowie Sexarbeit. Obwohl sie essentielle Bestandteile jeder Gesellschaft sind, gilt Sorgearbeit als unproduktiv und nicht wertschöpfend, weil sie keinen Warenwert erzeugt, sondern der Gewinn in scheinbar außerökonomischen Werten wie Zufriedenheit und sozialem Zusammenhalt besteht. Menschliche Bedürfnisse spielen im Kapitalismus eben nur insofern eine Rolle, als sie für die Herstellung einer flexiblen, leistungsstarken, gut einsetzbaren Arbeitskraft von Bedeutung sind. Dabei sind alle Menschen in hohem Maße z.B. in der Kindheit oder bei Krankheit, aber auch im Alltag auf Unterstützung anderer angewiesen.

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Häuser denen, die drin wohnen

Redebeitrag der STRAZE

Liebe Anwohner_innen, liebe Greifswalder_innen und alle, die mit uns heute, am Internationalen Kampftag der Arbeiter_innen, auf der Straße sind. Dieser Tag heute hat eine lange Tradition – seit Menschen angefangen haben sich gegen ihre Ausbeutung aufzulehnen, seit Menschen angefangen haben sich ihre rechte am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft zu erkämpfen, seit Menschen sich, ob arbeitend oder nicht, für eine gerechtere und freiere Gesellschaft einsetzen – gegen den Kapitalismus mit seiner Profitgier und Verwertungslogik.
Zu ihren Errungenschaften können die Beschränkung der Arbeitszeit, Recht auf Urlaub, Krankenversicherung, Rente, aber auch die noch immer nicht abgeschlossene Gleichstellung von Mann und Frau, sowie das Recht auf Bildung gezählt werden. Wir haben heute schon gehört, wie beschwerlich der Kampf schon immer war. Er hat viele Opfer gefordert und wird vielleicht nie vorbei sind.

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