Antifa Jugend Wochenende – Ein Rückblick

Antifaschistisch interessierte Jugendliche, die Lust haben etwas zu bewegen, stehen häufig vor dem Problem nicht zu wissen, wie und wo sie sich engagieren können. Meist fehlt es an einem Input oder am Anschluss an örtliche Antifastrukturen. Die erst kürzlich gegründete Antifaschistische Gruppe Defiant hat daher am vergangenen Wochenende ein Antifa Jugend Wochenende veranstaltet, dessen Zielsetzung es war die gefühlte Distanz abzubauen, Möglichkeiten vorzustellen sich selbst einzubringen, sowie mit thematischen Workshops und Vorträgen einige Grundlagen antifaschistischer Arbeit zu schaffen. Nicht zuletzt sollte den Besucher_innen ein Freiraum geboten werden, indem sie sich ausprobieren können.

Der Selbstverteidigungs-Workshop bot einen Einblick, wie körperliche Angriffe vermieden und abgewendet werden können. Gerade im Hinblick auf die Übergriffe der vergangenen Monate auf nicht-rechte Jugendliche wurde den Teilnehmenden vermittelt, dass, auch wenn immer die Gefahr der Täuschung besteht, sich doch viele gefährliche Situationen im Vorfeld erkennen und umgehen lassen. Dabei stand der Abbau von Unsicherheiten, das Stärken des Durchsetzungsvermögen im Vordergrund. In praktischen Übungen wurden außerdem Tricks geübt, mit denen sich vermeintlich Schwächere gegen Stärkere behaupten und aus brenzligen Situationen befreien können, die im Vorfeld nicht erkannt oder vermieden werden konnten.

Im Vortrag „Nazis in MV und HGW“ wurden Neonazistrukturen in Mecklenburg-Vorpommern und Greifswald vorgestellt. Im Mittelpunkt standen dabei vor allem zentrale Akteure und Gruppen, sowie deren Aktivitäten. In dem Workshop „Aufklärung gegen Rechts“ wurde außerdem erarbeitet, dass neonazistische Denkweisen und Strategien kein Phänomen aus dem luftleeren Raum sind. Dazu wurde ein Film gezeigt, welcher die Arbeit der NPD und anderer Neonazis in Mecklenburg-Vorpommern thematisiert. An verschiedenen Beispielen stellten die Teilnehmenden fest, dass menschenverachtende Denkweisen auch in der sogenannten Mitte der Gesellschaft anzufinden sind und somit einen Nährboden für Neonazis darstellen. Eine Kritik an menschenverachtenden Einstellungen in der Gesellschaft und die thematische Auseinandersetzung mit der daraus resultierenden Ideologie der Neonazis ist die Basis für eine antifaschistische Arbeit.

Politische Inhalte lassen sich auch über künstlerische Mittel farbenfroh und vielseitig transportieren. Daher wurde zusätzlich das Angebot geschaffen sich frei zu entfalten und sich jenseits von Verboten an den Graffiti-Wänden auszuprobieren, auszudrücken und in einem nicht ganz ernst gemeinten Wettbewerb vor einer Jury zu messen. Bis in die späten Abendstunden hinein wurden die Dosen beim Graffiti-Workshop nicht aus der Hand gelegt und die Ergebnisse anschließend für alle ausgestellt.

In einer abschließenden lockeren Runde wurde das Wochenende resümiert und die Frage diskutiert, welche Handlungsspielräume sich für antifaschistisch engagierende Menschen in Greifswald ergeben. Gemeinsam wurden Ideen entwickelt und festgehalten, die in den kommenden Monaten umgesetzt werden sollen. Das Antifa Jugend Wochenende konnte einen erfolgreichen Grundstein für kommende antifaschistische Arbeit in der Hansestadt legen.

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