Wir vergessen nicht!

Gedenken an Eckard Rütz

Zum 11. Mal jährte sich am vergangenen Freitag der Todestag des ermordeten Eckard Rütz. Circa 70 Menschen folgtem dem Aufruf des Bündnisses „Schon vergessen?“ um gemeinsam des zuletzt obdachlosen Rütz zu gedenken, der in der Nacht zum 25. November 2000 von Neonazis erschlagen wurde.

„Jene Obdachlosigkeit ist ein von der Gesellschaft geschaffenes Problem!“

In einem mahnenden Beitrag verwies ein Vertreter des Bündnisses auf die Rolle des kapitalistischen Systems, das durch seinen Leistungszwang, die Verwertungslogik und das Konkurrenzprinzip diejenigen Menschen an den Rand der Gesellschaft treiben würde, die diesen Regeln nicht entsprechen können oder wollen. Auch seien Neonazis, deren sozialdarwinistisches Denken und die daraus resultierende Propagierung der Ungleichheit in allerletzter Konsequenz immer im Mord enden, nur die Spitze menschenverachtender Einstellungen in der Gesellschaft, die neonazistischen Ideologien einen Nährboden bieten würde, so der Sprecher des Bündnisses. „In Deutschland muss niemand auf der Straße leben! Wer anfängt zu Trinken, hat sich das selbst zuzuschreiben“ – Aussagen, die nicht selten zu vernehmen sind, geht es um Rütz. Eine Ansicht, die impliziert, das diejenigen, die ihre Kraft und Hoffnung verloren haben, es nicht wert seien, dass ihrer gedacht wird. Aussagen, die von einem Bild einer Gesellschaft zeugen, in der es keinen Platz für vermeintlich „Schwache“ gibt.

„Das Töten hatte längst begonnen!“

Matthias Gürtler, Dompfarrer des St.Nikolai, bezog sich in seiner Rede unter anderem auf eben solche Aussagen: „Mag es zutreffen, dass Eckard Rütz getrunken hat, weil ihm das Leben so leichter wurde, mag es zutreffen, dass er Ärger mit der Polizei hatte, eine Begründung dafür, dass er sein Recht auf Leben verwirkt hatte, ist es nicht.“. Desweiteren sprach er sich für eine offene, solidarische Gesellschaft aus, in der Platz für Alte und Kinder, für Starke und Schwache, Schnelle und Langsame, für Menschen mit Behinderungen sein sollte. „Zu denken und zu sagen, solche Menschen sind eine Belastung, von der wir uns frei machen müssen, ist der Anfang des Tötens!“, so Gürtler. Abschließend bezog er sich auf den im April diesen Jahres verübten Brandanschlag auf das IKuWo, bei dem ein unmittelbar neben den Wohnräumen geparktes Auto in Brand gesteckt wurde. Auch dieser Angriff zeugt für Gürtler von der bewussten Inkaufnahme von Menschenleben durch Neonazis.

Mit einer Gedenkminute, in der Besucher_innen mitgebrachte Kränze und Blumen niederlegten oder Kerzen anzündeten, wurde die Veranstaltung andächtig beendet.

Auch in Rostock gab es am Freitag eine Gedenkkundgebung für Opfer rechter Gewalttaten unter dem Motto „Kein Vergessen! Kein Vergeben!“. Kombinat Fortschritt hat dazu einen Artikel veröffentlicht.

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