1. Mai: Alle nach NB

Neubrandenburg am ersten Mai

Nachdem es in den vergangenen Wochen bereits rumorte, ob nach den erfolgreichen Blockaden zum 1. Mai in Greifswald im vergangenen Jahr, 2012 wieder die Hansestadt das Ziel der NPD-Demoreisegruppe werden würde, liegt nun eine Anmeldung für 11 Uhr in der Neubrandenburger Oststadt vor.

Als Anmelder fungieren, wenig überraschend, wieder der verurteilte Nazi-Schläger Michael Grewe und der Neubrandenburger Stadtvertreter und Kreistagsabgeordnete Jens Blasewitz. Erwartet werden 300 Neonazis. Unter dem Motto „Leben und arbeiten in der Heimat“ sollen mit dem Märchen vom Volkstod sentimentale Gefühle der Bevölkerung geweckt werden. Der Bevölkerungsschwund in der Region und die hohe Arbeitslosigkeit dienen dabei als Aufhänger.

Nach 2005, 2007 und dem gescheiterten Versuch 2009 steht der Stadt am Tollensesee also wieder ein heißer Erster Mai bevor.

Warum?

Die Neubrandenburger Naziszene galt im Vergleich zum äußerst aktiven und gewaltbereiten Umland, lange als schlecht organisiert und erfolglos. Dass dieses Bild hinterfragt werden muss und wohl eher dem Wunschdenken vieler Engagierter entspricht, zeigt ein Blick auf die Entwicklung der Szene in den Jahren seit der letzten Demonstration.

Denn gemeinsam mit Nazis aus Friedland, Burg Stargard und Neustrelitz, stellen auch Neubrandenburger_innen vermehrt Infrastruktur für Nazi-Kundgebungen in der Region zur Verfügung. Sie treten als Ordner auf, halten Transparente und Reden und machen eine nicht zuvernachlässigende Teilnehmerzahl bei Nazi-Aufmärschen in der Region aus. Dabei fallen nicht nur kommunale NPD-Parlamentarier wie die Kreistagsmitglieder Jens Blasewitz (Neubrandenburg), Norman Runge (Burg Stargard) oder Hannes Welchar (Friedland) ins Auge, sondern auch immer mehr bis dato unorganisierte Neubrandenburger Neonazis.

Diese begeben sich vermehrt in Strukturen wie der punktuell auftauchenden „Kameradschaft Neubrandenburg“, oder treten als Helfer der NPD, bei Verteilungsaktionen, Schmierereien und bei so genannten Anti-Antifa-Aktivitäten in Erscheinung. Konzerte im Raum Friedland und Pasewalk sind auch für Neubrandenburger Neonazis ein Anzugspunkt und wichtiger Ort für Vernetzung und Erfahrungsaustausch.

Der letzte Naziaufmarsch in der Vier-Tore-Stadt liegt nunmehr fast vier Jahre zurück. Deshalb verwundert es nicht, dass Neubrandenburg wieder als Aufmarschgebiet an Relevanz gewinnt. Der bezahlte Wanderzirkus der NPD hat hier kein Gastspiel mehr, sondern trifft vor Ort auf eine immer selbstbewusster agierende Naziszene, die er nun auch öffentlich zu unterstützen versucht.

Die Oststadt ist zudem als größtes Neubrandenburger Wohngebiet ein attraktiver Aufmarschort. Ein Viertel der NPD-Wähler_innen in der Vier-Tore-Stadt ist hier zu Hause. Das Viertel hat seit 1990 fast 10.000 Einwohner_innen verloren und eine Arbeitslosenquote von fast 15 Prozent und bietet somit aus Sicht der NPD idealen Nährboden für ihre Kümmererideologie.

Aber

Allgemein birgt der Erste Mai in M-V großes Frustrationspotenzial für die rechte Szene. Ob in Rostock 2010 oder auch Greifswald 2011, die Erfahrungen haben gezeigt, dass ein von breiten Teilen der Gesellschaft getragenes Bündnis in der Lage ist, wirksamen Protest in Form von Blockaden zu organisieren.

Auch der letzte Versuch der NPD, am Ersten Mai 2009 in Neubrandenburg aufzulaufen, endete für die Partei in einem heillosen Durcheinander. In der Nähe des Aufmarschortes hinter dem Bahnhof fand sich ein Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften und antifaschistischen Gruppen zum Protest, der die Nazis offensichtlich veranlasste die Demo schon am Vorabend abzublasen. Das Häufchen von 100 Neonazis, die „spontan“ in Greifswald Ersatzbefriedigung suchen wollten, lief nach wenigen Hundert Metern auf freiem Feld in die Arme der Staatsgewalt.

Auch die letzte Demo in der Neubrandenburger Oststadt, im Jahr 2002, endete für die Nazis in einem Desaster. Nachdem sie mehrere Stunden in einer Blockade festsaßen, mussten sie in kurzfristig organisierten Bussen aus dem Viertel gekarrt werden.

Wir beobachten die zunehmenden Aktivitäten von Neonazis in unserer Stadt mit Sorge. Breiter, offensiver Widerstand ist längst überfällig und darum regt sich jetzt Protest. Wir wollen nicht zusehen oder unser eigenes Dasein abfeiern, wenn Nazis in unserem Viertel marschieren. Deshalb: Raus zum Ersten Mai 2012 in Neubrandenburg!

Achtet auf weitere Ankündigungen…

(Quelle: AONB)

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