Erneut rassistische Übergriffe in Greifswald

Pressemitteilung vom 18.04.2013

Am späten Abend des 16.04.2013 kam es in Greifswald erneut zu rassistischen Übergriffen. In unmittelbarer Nähe des Flüchtlingsheims wurden 5 afghanische Bewohner von 5 deutschen Männern zunächst angesprochen und anschließend geschlagen, bevor sie sich zum Heim flüchten konnten. Dort wurde die Polizei informiert, die allerdings vor Ort keinen der Täter ausfindig machen konnte. „Für uns spielt es keine Rolle, ob die Polizei eine Häufung von Übergriffen mit ausländerfeindlichem Hintergrund verzeichnet oder nicht“, so Katharina Lang, Pressesprecherin der Antifagruppe “Defiant“. Dieser Vorfall bestätigt ein weiteres Mal, dass neonazistische Hetze in letzter Konsequenz zu Gewalt führt. „Und Greifswald hat ein Problem mit Neonazis, die ihre rassistische, antisemitische und geschichtsrevisionistische Propaganda in das Stadtbild, auf die Straße und in die Köpfe der Menschen tragen“, so Lang weiter.

Erst vor knapp einem Jahr häuften sich in der Makarenkostraße Übergriffe auf ausländische Studierende und das islamische Kulturzentrum. Rassistische Beleidigungen, zerschlagene Fensterscheiben, Pfefferspray und Angriffe auf offener Straße. Über einen Monat lang verlor niemand ein Wort über die Geschehnisse, obwohl die Universität bereits zeitnah über die Vorfälle unterrichtet wurde. Reaktionen von Stadt und Polizei verdeutlichten schon damals ein völliges Ausblenden des rassistischen Normalzustandes mit dem ausländische Studierende und Migrant_innen in Greifswald konfrontiert sind. „Wir forderten eine öffentliche Aufklärung sowohl über die Vorfälle selbst, als auch über zukünftige Handlungsstrategien von Stadt und Universität.“ Stattdessen wurde unter Ausschluss von Presse, professionellen Opferberatungsstellen und den Mitglieder_innen des islamischen Kulturzentrums ein sogenannter „Runder Tisch“ initiiert, der passend zu den Ermittlungsergebnissen der Behörden mehr Imagepflege der Stadt als Solidarität mit den Betroffenen ausdrückte. Den damaligen Tatverdächtigen konnte keine fremdenfeindliche Motivation nachgewiesen werden – Greifswald ist und bleibt weltoffen.

Dieses Wegsehen und Leugnen wurde fünf afghanischen Flüchtlingen nun zum Verhängnis. Das Ergebnis ist und wird das gleiche bleiben – eine Situation der Angst in der diejenigen, die in das Feindbild der Neonazis passen, sich nicht mehr auf die Straße trauen und den Nazis das Feld überlassen.

Wenn schon Stadt und Behörden kein Interesse daran haben dieses Problem anzugehen, dann sollten wenigsten die Greifswalder Bürger_innen den Betroffenen zeigen, dass es hier Menschen gibt, die sie nicht allein lassen und rechtsradikale Gewalt unmöglich machen wollen.

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