Auf dem rechten Auge blind – Bündnis Greifswald Nazifrei kritisiert Umgang der Landespolizei mit rechtsextremer Gewalt

Das Bündnis Greifswald Nazifrei zeigt sich empört über den Umgang der Landespolizei bzgl. der Vorfälle rund um die NPD-Kundgebung in Greifswald am 29.7.2013. Während sie NPD-Funktionäre in der Öffentlichkeit als Opfer darstellt, ignoriert sie Gewalttaten seitens der Rechtsextremen.

Am Rande der Kundgebung waren mehrere Kader des „NPD-Ordnerdienstes“ auf Teilnehmende der angemeldeten Gegendemonstration losgegangen. Dabei verletzte der Greifswalder Neonazi Marcus G. einen Gegendemonstranten mit einem Fußtritt. Obwohl Polizeikräfte in unmittelbarer Nähe standen, reagierten sie zunächst nicht und nahmen erst wegen vehementer Aufforderungen von Danebenstehenden die Personalien von G. auf. Jedoch weigerten sie sich, eine Strafanzeige des Verletzten aufzunehmen. Dieser holte dies noch am selben Tag auf der Greifswalder Polizeiwache nach und ging zum Arzt, der Hämatome und Schwellungen infolge des Fußtritts feststellte.

„Es mag zwar sein, dass die Einsatzkräfte den Fußtritt selbst nicht gesehen haben und in der konkreten Situation überfordert waren – doch dann sollte man wenigstens im Nachhinein Unterstützung und Aufklärungsbereitschaft seitens der Polizei erwarten“, so Cornelia Schulze, Pressesprecherin von Greifswald Nazifrei.

Als das studentische Onlinemagazin webmoritz jedoch einige Tage später den Vorfall thematisierte, gab Polizeisprecher Axel Falkenberg an, dass die Polizei keine Kenntnisse von der (nachweislich bereits gestellten) Strafanzeige habe. Auf Nachfrage des Verletzten bei der Polizeiwache wurde von einer Beamtin entgegnet, dass man sich das nicht erklären könne. Doch statt dies in der Öffentlichkeit nachträglich richtigzustellen, veröffentlicht das Polizeipräsidium Neubrandenburg nun eine Pressemitteilung, dass der NPD-Landesvorsitzende Stefan Köster Strafanzeige erstattet habe, weil er bei besagter Kundgebung von einem Eierwurf verletzt worden sei.

„Es ist skandalös, dass die Polizei ausgerechnet Köster, der wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt wurde, weil er eine Gegendemonstrantin mit Fußtritten verletzte, eine Bühne als Opfer bietet“, so Schulze weiter. „Dass sich gleichzeitig ein vergleichbarer Vorfall wiederholt hat, scheint nicht zu interessieren. Dies ist ein Schlag ins Gesicht für alle Opfer rechter Gewalt und zeigt, dass die Polizei die Gefahr von Rechtsaußen leider immer noch nicht wirklich Ernst nimmt.“

Nachweise:

Dokumentation vom Angriff auf dem Markt:

http://blog.17vier.de/2013/07/29/kein-zweites-rostock-doch-trotzdem-stand-die-npd-im-regen-stehen/

http://blog.gruene-greifswald.de/2013/07/29/nazis-auf-dem-markt-in-greifswald-wehe-wenn-sie-losgelassen/

Bericht des webmoritz vom 1.8.2013:

http://webmoritz.de/2013/08/01/gysi-in-greifswald/

Bericht zur Verurteilung von Stefan Köster:

http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2005/npd46.html

PM des Polizeipräsidiums Neubrandenburg vom 13.8.2013:

http://www.polizei.mvnet.de/cms2/Polizei_prod/Polizei/de/oeff/Pressemitteilungen/Aktuelle_Pressemitteilungen/index.jsp?&pid=55370

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