Aktueller Stand beim Ajuku in Stralsund

Jetzt erst recht!

Aus aktuellem Anlass wollen wir euch über den derzeitigen Stand unseres Projektes informieren.
Weiterhin haben sich viele Menschen mit uns solidarisiert und es sind einige Spenden zusammengekommen. Nochmals vielen Dank dafür, wir bemühen uns, nach und nach alle Spendenbescheinigungen rauszuschicken. Wer noch auf eine Bescheinigung wartet, schickt uns, wenn möglich, eine e-mail (ajuku-stralsund@riseup.net) mit Namen, Adresse und Höhe sowie Datum der Spende.
Wir haben in den letzten Wochen mit viel Energie an der Baugenehmigung gearbeitet. Da das Bauamt anscheinend gerade bei uns beweisen wollte, wie gut es Erbsen zählen kann, gab es viel zu tun. Unser Wunschobjekt wurde neu ausgemessen, ein Brandschutzkonzept entwickelt, tausende Euros für Architekt_innen aufgebracht, die Pläne gefestigt und zu guter Letzt die zukünftigen Nachbarn kontaktiert. Letzteres führte schließlich zu einem Konflikt, der uns einen Strich durch die Rechnung machen könnte: Wie uns bereits bekannt war, gehört die Zufahrtsstraße nicht etwa der Stadt, sondern allen anliegenden Grundstücksbesitzer_innen. Eine der vielen Voraussetzungen für die Baugenehmigung ist allerdings die Zustimmung zum geplanten Jugendzentrum aller Anlieger_innen. Da es aber gesellschaftlicher Usus zu sein scheint, allein auf die Erwähnung des Wortes “Jugendzentrum” panisch zu reagieren, fanden sich einzelne Besitzer_innen nicht bereit uns wohlwollend zu begegnen und waren weder bereit, auf weitere Kommunikationsangebote einzugehen, noch über einen Kompromiss nachzudenken.
Dieses Verhalten spiegelt auch die Position einiger städtischer Verantwortungsträger_innen wider. Junge Menschen, die sich für gesellschaftliche Belange engagieren und verwirklichen wollen, was die Stadt selbst nicht umsetzen kann und will, werden mit solidarisch erscheinenden Zusagen abgespeist. Unsere Erfahrung lehrte uns, dass das Interesse der Stadt an einem Jugendzentrum marginal oder aber gar nicht vorhanden ist und dementsprechend ist die kulturelle Lage in Stralsund zu bewerten. Natürlich gibt es Angebote für junge Menschen, zum Beispiel wird durch Vereine wie Perform[d]ance e.V., Förderverein Jugendkunst oder STiC-er Theater e.V. tolle Arbeit geleistet, wir wollen jedoch einen Raum schaffen, der über solche Angebote hinausgeht. Wir wollen einen Raum bieten, in dem Menschen ihre eigenen Projekte auf die Beine stellen können, um die soziale, kulturelle und politische Landschaft in Stralsund und Umgebung nachhaltig vielfältig, attraktiv und emanzipatorisch zu gestalten. Wir wollen, dass sich alle Menschen in unserem Haus verwirklichen und wiederfinden können. Stralsund wirkt schön und im Sommer auch durchaus lebendig, ist jedoch innerlich tot. Die Förderung des Tourismus ist notwendig, in der momentanen Form aber für die Bewohner_innen Stralsunds sozial unverträglich. Wir verlangen daher eine Unterstützung unseres Anliegens, da wir der Stadt ihren Puls zurückgeben wollen.
Wenn diese Ziele und Träume Angst entfachen, dann ist es jedoch umso eher an der Zeit den Lauf unseres Lebens in Hand zu nehmen und die Menschen wachzurütteln. Wir wollen ein gesellschaftliches Leben, dass den bunten Fassaden der Stralsunder Innenstadt gerecht wird. Die Fassade ist immer nur so viel wert, wie das Gebäude, welches sie ziert. Daher wünschen wir uns ein wenig Unterstützung, aber umso mehr Begeisterung für unsere Utopien von einem gemeinsamen und gerechten Leben. Wir hoffen, dass uns dabei geholfen wird, die großen und kleinen Steine aus den bürokratischen Wegen zu räumen und uns keine Stöcker zwischen die Beine geworfen werden.
Wir jedenfalls werden nicht innehalten uns unseren Utopien zu nähern. Wir wissen, dass Stralsund ein offenes und selbstverwaltetes Jugendzentrum braucht und werden darum kämpfen. Allen Menschen, die unsere Ideen teilen, weil sie auch unsere Träume träumen oder auch die soziale Notwendigkeit unseres Projektes erkennen, rufen wir zu: “Herzlich willkommen! Wir freuen uns euch an unserer Seite zu wissen, wir wollen diesen Weg zusammen gehen!”
Denen jedoch, die uns weiterhin vermitteln wollen, dass unsere Ideen Unfug, von jugendlichem Leichtsinn beflügelt oder schlichtweg überflüssig sind, sagen wir schweren Herzens: “Fristet weiterhin euer graues Dasein, doch nehmt uns nicht die Luft zu Atmen, lasst uns unseren Raum! Hoffentlich werdet ihr eines Morgens wach und erkennt die Lüge, die ihr Leben nennt!”
Um mit den Worten von Rio Reiser zu sprechen:
“Doch wir woll’n diesen Weg zu Ende geh’n,
und wir wissen, wir werden die Sonne seh’n!
Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten.”
Seid laut und bunt und frech und wunderbar!
Stralsunds Jugend braucht ein AKJZ – jetzt!

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