100 Menschen für Klassenkampf statt Rassismus

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„Hoch die internationale Solidarität“ hallte es am Samstag durch die Straßen Greifswalds. Etwa 100 Menschen folgten dem Aufruf der Antifa Defiant Greifswald und zogen am Vortag des internationalen Kampftages der Arbeiter_innenklasse durch die Hansestadt.
Der von der Polizei nur spärlich begleitete Demonstrationszug startete am Nexöplatz und führte dann nach Schönwalde I. Im Herzen des Viertels wurden mehrere Redebeiträge etwa zur Geschichte des 1. Mai und zur Situation von Frauen oder Jugendlichen im Kapitalismus gehalten. Die Reaktionen der Anwohner_innen fielen gemischt aus. Einige echauffierten sich über die roten Fahnen und pöbelten am Rande, viele nahmen die zahlreich verteilten Flyer interessiert entgegen, manche zeigten ihre Sympathie für die Sache der Demonstrierenden.

Nach der Zwischenkundgebung passierte der Aufzug Schönwalde II und endete dort am Quartiersbüro mit einem Redebeitrag zur Stadtaufwertung, deren Folgen und dem Widerstand dagegen.
Von den Demonstrant_innen, wie auch vom Lautsprecherwagen, wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass der Widerstand gegen den Kapitalismus und seine Folgen nicht durch Rassismus und Nationalismus, sondern nur durch die Einigkeit der Unterdrückten, Ausgebeuteten und Abgehängten in der ganzen Welt wirksam werden kann. Gezielt wurde auch die Lage von arbeitslosen und geringfügig beschäftigten Menschen im Viertel thematisiert, da durch Verdrängungsprozesse in der Stadtentwicklung zahlreiche Menschen, denen dieses Los zu teil wurde, in Schönwalde leben.
Besonderes Gewicht kommt dieser Demonstration zu, weil der Stadtteil seit Monaten von Neonazis und Rassist_innen heimgesucht wird, die bei Aufmärschen immer wieder gegen Geflüchtete hetzen und diese für die Symptome des Kapitalismus verantwortlich machen. Während der Demonstration wurden dann auch Unmengen an rechter Propaganda entfernt.

Die Demonstration hat zahlreiche Menschen erreicht, anstatt zu verschrecken. Viele konnten in ihrer persönlichen Lebensrealität angesprochen werden. Über Auftreten, Transparente, Ansagen und Parolen konnten Klassenstandpunkte vermittelt werden, die in Redebeiträgen und Flyertexten vertieft wurden. Zudem ist es gelungen anlässlich des 1. Mai eigene Inhalte in Mecklenburg-Vorpommern auf die Straße zu tragen, unabhängig von Neonaziaktivitäten. Insofern ist die Demonstration als erfolgreich zu bewerten. Einziger Wehrmutstropfen ist die steigerbare Teilnehmer_innenzahl.

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