Tag der Vielfalt

14.04. – Aktionstag mit Demo und Konzert in Stralsund

Der Aktionstag, der durch das Bündnis „Tag der Vielfalt – gemeinsam gegen rechte Gewalt – mehr Jugendarbeit in Stralsund“ geplant wird, beginnt um 14:00 Uhr mit einer Demonstration in der Bahnhofstraße und wird am Abend auf dem Neuen Markt mit einem Rockkonzert ausklingen. Ab 15:00 Uhr treten dort mehrere Bands und Redner verschiedener Organisationen auf. Zudem gibt es ein kreatives Kinderprogramm und Infostände mitwirkender Organisationen. Neben “Kein Bock auf Nazis” unterstützt auch der Präventionsrat Vorpommern-Rügen die Aktion.

Nun wurden durch die Initiative Vereint für Stralsund Gegenaktionen angemeldet. “Wir haben damit gerechnet, dass es zu Gegenaktionen kommen kann – wie im Januar 2016, wo eine Mahnwache von Rock gegen Rechts Stralsund gestört wurde”, so Jens Knoop, der Sprecher von Rock gegen Rechts Stralsund e.V.. “Darüber haben wir Polizei und Versammlungsbehörde schon mit Beginn der Planung informiert, dass wir mit derartigen Reaktionen rechnen”.

Das Bündnis lässt sich durch die Gegenversammlung nicht entmutigen: schon in der Vergangenheit hat sich Rock gegen Rechtsfür demokratische Bündnisse und Aktionen in der Hansestadt erfolgreich eingesetzt.

Deshalb: Samstag nach Stralsund kommen, auf die Straße gehen für die Stärkung der Jugendarbeit und gemeinsam gegen rechte Gewalt!
Vereine, Träger und andere Personen, die sich auf der Kundgebung oder an der Demonstration beteiligen möchten, können das Bündnis per e-Mail erreichen (aktionstag@systemausfall.org) .

weitere Infos unter: www.rockgegenrechts.de

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12.03.2018 AFD-Demonstration verhindern!

Seit geraumer Zeit wird im Rostocker Stadtteil Evershagen um einen
Gebetsraum für die Islamische Gemeinde gestritten. Genau diesen
Stadtteil haben sich nun AFD und Pegida für die erste von bisher zwei
angemeldeten Demonstrationen ausgesucht. Am Montag den 12.03.2018 wollen
sie gemeinsam unter dem Motto „Islamisierung stoppen“ ihre Hetze auf die
Straße tragen. Zu erwarten sind
Faschisten aus dem ganzen Bundesland, wenn nicht sogar darüber hinaus.

Antifaschistische Strukturen aus Rostock werden sich den Nazis
entschlossen in den Weg stellen. Wir aus Greifswald sehen uns in der
Pflicht, dieses vorhaben solidarisch und mit allen Mitteln zu
unterstützen und rufen alle Menschen dazu auf am Montag nach Rostock zu
fahren, um deutlich zu machen, dass Dinge wie Rassismus, Sexismus,
Homophobie und Religionsfeindlichkeit in unserer Welt keinen Platz haben.

Macht euch am Montag auf den Weg nach Rostock und lasst uns gemeinsam
ein Zeichen gegen Hass und Menschenfeindlichkeit setzen.

Stay True, Stay Antifascist!

Treffpunkt in Rostock: 18 Uhr auf dem Parkplatz am Lidl in der
Maxim-Gorki-Straße (Rostock-Evershagen)

Zukunft statt Profite

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1. Mai-Demonstration in Greifswald

Den 1.Mai verbinden viele heute wohl mit Familienausflügen ins Grüne, mit ritualisierten und verordneten Demonstrationen mit der Betriebsgruppe zu Ostzeiten oder höchstens noch mit gewerkschaftlichen Maifesten mit ordentlich Wurst und Bier. Welche historischen Begebenheiten hinter dem Kampftag der Arbeiterklasse stehen, ist dagegen weniger geläufig.
Die Tradition des 1.Mai beruht maßgeblich auf den Ereignissen des Haymarket Massakers im Jahr 1886 in Chicago. Nach einer Kundgebung am Abend des 1.Mai enstpann sich ein mehrtägiger Streik mit der zentralen Forderung nach der Einführung des 8-Stunden-Tages, der in den tragischen Auseinandersetzungen des 3.Mai gipfelte. Den Straßenkämpfen mit der Polizei fielen 6 Arbeiter zum Opfer, hunderte wurden verletzt. Im Anschluss wurden 8 Redner verhaftet und als Rädelsführer wegen Verschwörung zum Aufruhr verurteilt. Vier von ihnen starben durch den Strick, ein weiterer entzog sich der Hinrichtung durch Suizid, die verbliebenen wurden erst nach sechs Jahren begnadigt. Auf dem Gründungskongress der Zweiten Internationale 1889 wurde zum Gedenken an die Opfer des Haymarket Riot der 1. Mai als „Kampftag der Arbeiterbewegung“ ausgerufen. Auch die Forderung nach dem 8-Stunden-Tag wurde weltweit aufgenommen.

Der Mythos der sozial durchlässigen Gesellschaft

Während in der Bundesrepublik eine lange nicht da gewesene wirtschaftliche Stabilität und der damit einhergehende konstante Aufschwung gefeiert wird, stellen viele ihrer Bürger_innen fest, wie bitter erkauft diese Lage am Weltmarkt ist. Für viele Beschäftigte bedeutete dieses „fit machen für die Zukunft“ vor allem Entgrenzung ihrer Arbeitszeit, Befristung ihrer Arbeitsverträge, Leiharbeit und Mini-Jobs. Auch halbherzig eingeführte Maßnahmen wie der Mindestlohn können daran nicht viel kitten. Während es den Unternehmen blendend geht, sehen sich die meisten Beschäftigten von Zukunftsängsten geplagt.

Notstand in der Pflege Und was ist mit Oma und Opa?

Die Herausforderungen, die sich uns in der alternden Gesellschaft stellen werden zwar oft betont, an der Arbeitsrealität in Gesundheits- und Pflegeberufen ändert sich währenddessen nichts. Stattdessen greift auch hier die Flexibilisierung um sich und die Beschäftigten beklagen die mangelnde Wertschätzung ihrer Arbeit. Klassisch bleibt Pflege- und Sorgearbeit bis heute drastisch unterbezahlt, wenn sie nicht gar, alten Rollenbildern entsprechend, ohne Entlohnung vor allem von Frauen im privaten Rahmen geleistet wird. So lange sich aber immer noch ausreichend Personal findet, um den pensionierten „Leistungsträgern“ unserer Gesellschaft die Ärsche zu wischen, wird sich daran wohl auch nichts ändern.

Industrie 4.0 oder „Die schöne neue Arbeitswelt“

Am Horizont dämmert bereits das Ende der Arbeitswelt wie wir sie kannten. Modeworte wie Industrie 4.0 werden nicht nur gerne von Marketingstrategen und Arbeitgeberverbänden im Mund geführt, auch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat Ende 2016 ein eigenes Weissbuch zum Thema Arbeit 4.0 herausgegeben. Hierin propagiert es die sozialpartnerschaftliche Gestaltung von Arbeitsbedingungen im digitalen Zeitalter. Während Thinktanks von Arbeitgeberverbänden bereits sehr detaillierte Forderungen nach Deregulierung von Arbeitszeiten und Arbeitsverträgen, nach Flexibilisierung des Datenschutzes und nach Ausbau von Leiharbeit und „Crowdworking“ stellen, tun sich die Gewerkschaften noch schwer damit, Gegenmacht aufzubauen oder fallen auf den sozialpartnerschaftlichen Weg der Gestaltbarkeit herein. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass sich das Versprechen, dass technologischer Fortschritt zu weniger Arbeit und besseren Arbeitsbedingungen führt, nur selten erfüllt hat. Jede Arbeitszeitverkürzung musste hart erkämpft werden. Durch immer drängendere Forderungen aus den Reihen der Beschäftigten der Basis wurde dieses Thema jetzt endlich auch von den Gewerkschaftsfunktionären auf die Agenda gesetzt. So sind die Funktionäre der IG-Metall mit der Forderung nach einer Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit bis auf 28 Stunden in die laufende Tarifrunde gestartet. Diese Forderung mutet im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten, in denen es noch um bedingungslose Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich ging, mehr als handzahm an. Nichtsdestotrotz löste sie bei den Arbeitgeberverbänden einen Aufschrei aus.

Die Zukunft hängt von uns ab

Knüpfen wir an die Tradition des 1.Mai an, welche eng mit der Erkämpfung des 8-Stunden-Tages verbunden war. Egal ob Auszubildende, Student, Facharbeiterin, wissenschaftliche Mitarbeiterin mit befristetem Vertrag oder schwer vermittelbarer Arbeitnehmer um die 50. Lassen wir uns nicht verwalten und verarschen. Wenn wir nicht das Maul aufmachen wird die Zukunft der Arbeit von denen bestimmt, die uns noch nie was geschenkt haben. Wir haben es in der Hand, ob der Wandel für uns Erleichterung der Arbeit oder unsere totale Kontrolle und Überwachbarkeit bedeutet.
Auch 132 Jahre nach den Ereignissen des Haymarket Riot gilt, ein besseres Leben fällt weder vom Himmel, noch erkämpft es sich allein durch Bockwurst essen.

Deshalb heraus zum 1.Mai! Machen wir klar, dass wir, wenn es um unsere Zukunft geht, ein gehöriges Wörtchen mitzureden haben!

Gegen den AFD-Bundesparteitag in Hannover

Am kommenden Samstag (02.12.2017) will die AFD ihren 8. Bundesparteitag in Hannover abhalten. Spezieller Fokus soll hier auf den Wahlen eines neuen Bundesvorstandes liegen. Als antifaschistische Gruppierung finden wir es wichtig, dass solche Treffen nicht ungestört bleiben und der AFD mit ihren Anhänger_innen und Unterstützer_innen konsequent gezeigt wird, dass sie ihr menschenverachtendes und faschistisches Weltbild nicht ohne Hindernisse vertreten können.

Unsere Alternative heisst Solidarität

Unsere Alternative heisst Solidarität

Unsere Alternative heisst Solidarität – Gegen den AfD Bundesparteitag in Hannover

Die Alternative für Deutschland will am ersten Dezemberwochenende ihren Bundesparteitag in Hannover ausrichten.

Neu im Bundestag, kann die AfD auf noch mehr Mittel und Ressourcen zugreifen, um rassistische, nationalistische und autoritäre Positionen zu verbreiten.
Die Partei will die Erfolge sozialer Bewegungen zunichte machen und so unsere Freiheiten einschränken: Abbau von Rechten, die Erwerbstätige schützen, Kürzungen bei Sozialausgaben, Rückbau von Klimaschutzrechten, Verschärfung des Abtreibungsverbots, weitere Einschränkung von Bleibemöglichkeiten für geflüchtete Menschen, Annullierung der Ehe für Alle sowie einen reaktionären Wandel in Kultur- und Bildungspolitik. Wir wissen: Die AfD wird nicht trotz, sondern auch wegen dieser Positionen gewählt. Gleichzeitig wäre die AfD nicht so erfolgreich ohne Steilvorlagen etablierter und regierender Parteien z.B. durch rigide Asylrechtsbeschränkungen.

Auch ohne die AfD haben wir einiges an der kapitalistischen Welt, in der wir leben, auszusetzen. Die Partei nutzt die bestehenden gesellschaftlichen Missstände für sich und verschärft sie. Sie spaltet die Gesellschaft, indem sie die verantwortlich macht, die für sie nicht dazugehören: Geflüchtete und migrantische Menschen – vor allem die, die nicht sofort als „Fachkräfte“ der deutschen Wirtschaft dienen können, emanzipierte Frauen und Alleinerziehende oder alle, die nicht der heterosexuellen Norm entsprechen. Wie die Neonazis stellt sie einer vielfältigen Gesellschaft den nationalistischen, teils völkischen Einheitsbrei gegenüber. Tatsächliche soziale Widersprüche, wie die sich immer weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich, sollen so verdeckt werden und nicht mehr zu erkennen sein.
Diese Alternative bietet keine Lösungen. Das können wir nur selber tun. Deshalb engagieren wir uns, damit Alle unter guten Bedingungen leben können – gleichberechtigt und gemeinsam, ohne Armut und Ausgrenzung.

Wenn die AfD zu ihrem Bundesparteitag nach Hannover kommt, werden wir uns dieser Partei in den Weg stellen. Wir sind bunt und kreativ. Gemeinsam setzen wir ein deutliches Zeichen und sagen der AfD und ihren Verbündeten: „Auch hier seid ihr nicht willkommen!“
Dazu leisten wir zivilen Ungehorsam und werden den Parteitag der AfD blockieren. Später am Tag treffen wir uns auf einer gemeinsamen antifaschistischen und antirassistischen Demonstration durch die Stadt.

Wir laden alle Menschen zu unseren Aktionen ein, denn unsere Alternative heisst Solidarität.

2. Dezember 2017 – Hannover

Ab 7 Uhr: Blockaden rund um das HCC | Ab 11:30 Uhr: Gemeinsame Demonstration

Schon Vergessen?

In Gedenken an Eckard Rütz

Zahlreiche Menschen gedachten am gestrigen Samstag dem von Neonazis ermordeten Eckhardt Rütz in Greifswald. Rütz, wie auch Klaus-Dieter Gerecke, wurden im Jahre 2000 von Neonazis in der Hansestadt ermordet. Störungen und Zwischenfälle der Gedenkveranstaltung blieben aus.

Zum gestrigen 17. Todestag von Eckhardt Rütz gedachten seiner in der Hansestadt Greifswald etwa 70 Menschen. Der wohnungslose Rütz wurde in der Nacht vom 24. zum 25. November 2000 von Nazi-Skinheads ermordet. Die drei Täter schlugen und traten zunächst auf den neben der Mensa schlafenden Rütz ein und erschlugen ihn dann mit Holzpfählen. Einer der Täter sagte in der Gerichtsverhandlung aus, dass so einer wie Rütz dem deutschen Steuerzahler nur auf der Tasche liege.

Auf der gestrigen Veranstaltung sprach wie in den Vorjahren der Greifswalder Dompfarrer Matthias Gürtler. Ein weiterer Beitrag wurde vom Bündnis „Schon vergessen?“ gehalten. Die Sprecherin zeigte die Kontinuität der Beurteilung und des Umgangs mit als „asozial“ diffamierten Menschen vom Nationalsozialismus bis in heutige recht Ideologien auf und ordnete die Morde an Rütz und Gerecke entsprechend ein.

Abgerundet wurde die Veranstaltung mit Musik- und Gedichtbeiträgen. Während einer Schweigeminute legten Anwesende Blumen, Kerzen und Gestecke am Gedenkstein nieder. Zu Störungen oder Zwischenfällen kam es nicht.

Die Kampagne „Schon vergessen?“, initiiert von der Antifaschistische Aktion Greifswald, rief 2006 erstmals zum Gedenken an die Opfer rechter Gewalt auf und verband damit gleichzeitig die Forderung nach der Setzung eines Gedenksteins am Tatort. Die Stadt sträubte sich unter CDU-Bürgermeister Arthur König lange Zeit gegen den spendenfinanzierten Gedenkstein mit dem eindeutigen Hinweis auf eine rechte Tatmotivation. Letztlich setzte sie sich mit dem Begriff „rechtsextremistisch“ im Gedenktext durch. In der ursprünglich Fassung lautete es zur Gesinnung der Täter noch „neonazistisch“.

Mit der Einweihung des Steins zum siebten Todestag vor zehn Jahren, etablierte die Kampagne Schon vergessen?“ das Gedenken an Rütz und konnte den geforderten Gedenkort schaffen.

Eckhardt Rütz ist jedoch nicht der einzige Mensch ohne Obdach, der von Neonazis in Greifswald ermordet wurde. Wenige Monate zuvor am 24. Juni 2000 wurde Klaus-Dieter Gerecke ebenfalls von drei Neonazis, darunter zwei Frauen, ums Leben gebracht. Unter den Worten „da ist der Assi, klatsch ihn tot!“, traten die Täterinnen auf ihn ein. Greifswald war damals Hochburg faschistischer Aktivitäten und Gewalt, in der insbesondere die NPD tonangebend war. Die Täter und Täterinnen beider Taten gehörten zu jener rechten Szene.

Die Beteiligung am Gedenken für die Ermordeten ist von Jahr zu Jahr kontinuierlich, sodass mittlerweile von einem fest verankerten Termin im Stadtgeschehen gesprochen werden kann. Nach wie vor wird die Veranstaltung nicht von städtischer Seite, sondern durch engagierte Antifaschist*innen organisiert. Neben dem Gedenken an die Menschen Eckhardt Rütz und Klaus-Dieter Gerecke hat auch die Beschäftigung mit den Tatmotiven nichts an Aktualität eingebüßt. Die sozialdarwinistische und elitäre Denkweise vom schaffenden deutschen Arbeiter und Studenten, der die Volksgemeinschaft von „Asozialen“ und „Schmarotzern“ reinzuhalten hätte, ist Teil rechter Ideologie von Kameradschaftsnazis bis hin zur identitären Faschisten.

Nicht zuletzt ist die Tat auch geleitet von einem pervertierten kapitalistischen Verständnis von der Verwertbarkeit und dem Wert des Menschen und lässt nicht grundlos Assoziationen zu diversen hetzerischen Schlagzeilen großer deutscher Tageszeitungen aufkommen. In der alltäglichen Propaganda zur Leistungsbereitschaft, die vermitteln will, dass nur derjenige einen Wert und etwas zu bekommen hat, der sich möglichst ungehemmt ausbeuten lässt, liegt ein Antrieb zu diesen Taten. Der von den Tätern benannte „deutsche Steuerzahler“ ist nicht bereit, sich gegen das System zu wenden, das ihn ausbeutet. Er ist nicht bereit die Wirtschaft und Gesellschaft so einzurichten, dass sie allen Menschen dient. Stattdessen projiziert er seinen Hass auf diejenigen, die ihm vermeintlich etwas wegnehmen wollen oder ohne Gegenleistung zugeteilt bekommen und wenn auch nur in Form von Steuern. Die Opfer dieses Hasses sind vielfältig und je nach gesellschaftlicher Stimmung gewählt: geflüchtete Menschen, Menschen ohne Arbeit oder ohne Obdach, wie Eckhardt Rütz und Klaus-Dieter Gerecke. Die Neonazis, die die beiden Greifswalder ermordeten, sahen sich wohl als vermeintlich gerechte Vollstrecker dieses Hasses und führten ihn zu seiner traurigen Konsequenz. In beiden Fällen zeigt sich deutlich eine Verquickung von kapitalistischer Verwertungs- und nationalistischer Volksgemeinschaftsideologie.

Online finden sich zahlreiche Texte, Bilder und Audiobeiträge, die sich mit dem Mord an den beiden Menschen und dem Gedenken beschäftigen und auch in der Stadt sind die Taten und die Erinnerung daran bekannt. Es wäre wünschenswert, wenn das Gedenken im kommenden Jahr auch über die Grenzen Greifswalds hinaus wieder mehr Aufmerksamkeit erfahren würde und auch die Beteiligung durch die antifaschistische Linke des Bundeslandes wieder stiege. Denn Eckhardt Rütz und Klaus-Dieter Gerecke sind zwei von zwölf Menschen, die Neonazis seit 1990 in Mecklenburg-Vorpommern ermordeten!

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Aktionswochen gegen Antisemitismus in Mecklenburg-Vorpommern

Warum, wieso, weshalb?

Nahezu zeitgleich mit der Präsentation des Berichts des Unabhängigen Expertenkreis Antisemitismus veröffentlichte die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern eine Antwort auf eine kleine Anfrage bzgl. antisemitischer Übergriffe in Mecklenburg-Vorpommern. Die Statistik zeigte für 2016 einen neuen Höchstwert: 39 antisemitisch motivierte Straftaten, die bei den Ermittlungsbehörden angezeigt und von den Ermittlungsbehörden als antisemitisch eingestuft wurden. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Trotz mind. 3 antisemitischer Straftaten pro Monat in Mecklenburg-Vorpommern fristet der Themenkomplex „Antisemitismus“ noch immer ein Nischendasein. Antisemitismus ist jedoch ein gesamtgesellschaftliches Problem, wie auch der Bericht des Expertenkreises konstatierte.
Umso notwendiger erscheint es uns in Mecklenburg-Vorpommern das Thema konsequent zu bearbeiten und immer wieder „aufs Tableau zu heben“, sodass eine kritische Auseinandersetzung mit Antisemitismus im Alltag möglich ist. 
Insbesondere junge Menschen kennen Antisemitismus ausschließlich aus dem Schulunterricht und den Geschichtsbüchern. Dass antisemitische Ressentiments jedoch nach wie vor en vogue sind und Antisemitismus ein brandaktuelles Problem, wird von Lehrkräften häufg nicht erkannt und behandelt. Daher wollen wir an so vielen „jugendlichen Orten“ in MV wie möglich Veranstaltungen zum Thema anbieten, in Diskussionen kommen, neue Horizonte öffnen.

Der Bund deutscher PfadfinderInnen Mecklenburg Vorpommern wurde 2009 als gemeinnütziger Verein gegründet und ist ein Zusammenschluss von unabhängigen, selbstverwalteten und emanzipatorischen Jugendclubs, Orten, Kulturräumen und Gruppen und daher der direkte Draht zu den Orten jugendlicher Selbstverwaltung und offenen Kulturräumen. Als BDP MV ist der Verein im bundesweiten Zusammenschluss BDP organisiert.

Context | Bausteine für historische und politische Bildung e.V. bietet die fachliche Expertise und Erfahrungen im Bereich der politischen Bildung. Der gemeinnützige Verein – mit Hauptsitz in Rostock – wurde 2011 gegründet, um die kritische Auseinandersetzung mit Ideologien der Ungleichwertigkeit wie Antisemitismus, Antiziganismus und Rassismus in Geschichte und Gegenwart zu fördern. Neben Vermittlungsangeboten zur nationalsozialistischen Geschichte widmen sich die Bildungsangebote aktuellen Erscheinungsformen von Diskriminierung und Verfolgung von Minderheiten im regionalen, nationalen und internationalen Kontext.

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Die landesweiten Aktionswochen gegen Antisemitismus Mecklenburg-Vorpommern finden vom 06. November bis 19. November 2017 statt und sind eine Veranstaltungsreihe des Bund deutscher PfadfinderInnen M-V und context e.V.
Inhaltlich breit aufgestellt, stehen insbesondere der ländliche Raum und jugendliche Treffpunkte im Fokus der Veranstaltungsreihe.
Die Veranstaltungen werden im Rahmen der bundesweiten Aktionswochen gegen Antisemitismus der Amadeu Antonio Stiftung und des Anne Frank Zentrums organisiert.

Veranstaltungen in Greifswald:
10.11.2017 | 20.00 Uhr | Koeppenhaus
Ernst Moritz war & ist nicht allein. Antisemitismus gestern & heute

12.11.2017 | 20.00 Uhr | IKuWo
Antisemitismus von links

18.11.2017 | 19.00 Uhr | Ort wird noch bekannt gegeben
Everyone Loves a Conspiracy“ – Ideologie zwischen Wahn, Welterklärung und politischer Gefahr

Quelle und weitere Infos: http://aktionswochen-mv.de

Demmin 08. Mai 2017 – Genug ist genug!

Den deutschen Opfermythos angreifen

Bereits das 10. Jahr in Folge wird die Neonaziszene Mecklenburg-Vorpommerns am 08. Mai 2017 in Demmin aufmarschieren, um ihre lächerliche Sichtweise der Geschichte und der Ereignisse um die Befreiung Demmins vom NS-Faschismus zu propagieren. Wie bereits die Jahre zuvor, werden die Faschist_innen versuchen einen deutschen Opfermythos zu konstruieren und diesen ins Zentrum des Gedenkens an die Kapitulation Deutschlands vor 72 Jahren zu rücken. Die Nazis versuchen so, die Geschichte umzudeuten, zu relativieren und deutsche Täter_innen von der Schuld reinzuwaschen.

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