Am Montag auf zur Demonstration nach Schönwalde

Damals wie heute – Rassismus tötet!

Auch im neuen Jahr scheint Greifswald nicht verschont zu bleiben von rassistischen Kundgebungen und Demonstrationen durch besorgte Patrioten, kruden DDR-Fanatikern und rassistischen Hetzern; kurz „FFDG“ und „Greifswald wehrt sich“. Für den 11.01. haben sie ihre erste Veranstaltung „gegen die aktuelle Politik in diesem Land“ angekündigt. Sie selbst stellen sich in eine Reihe mit PEGIDA und fordern nicht weniger entschlossen dazu auf Deutschland zu verlassen, sofern sich viel beschworene Vaterlandsliebe einfach nicht einstellen will. Wie lächerlich die wöchentlichen Abendspaziergänge auch anmuten, die verbreitete rechte Hetze zeigt Wirkung. Die Beratungsstelle für Betroffene Rechter Gewalt in Mecklenburg-Vorpommern, LOBBI, hat für die vergangenen Monate eine massive Zunahme rechter Gewalttaten festgestellt. Waren im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres bereits zwei Drittel der Angriffe rassistisch motiviert, so sind es seit Juli fast 90 Prozent der registrierten Attacken. Rassistische Hetze im Internet, Flugblätter, Brand- und Buttersäureangriffe auf geplante Flüchtlingsunterkünfte, sowie die erst kürzlich geschehene Messerattacke auf einen 18-jährigen Linken-Politiker sind weitere Ergebnisse der geistigen Brandstiftung montäglicher Rassisten-Aufmärsche.

Rechtem Terror entgegentreten!

Diese gesellschaftliche Entwicklung ist besorgniserregend. Es ist unerträglich, wenn Rassisten und Nazis den öffentlichen Raum einnehmen und ihre menschenverachtende Hetze verbreiten können. Unsere Antwort darauf kann nur sein, diese Bewegung abzulehnen und gegen sie aktiv zu werden. Rassismus darf kein Normalzustand sein. Eine Beantwortung sozialer Fragen mittels nationalistischer und rassistischer Argumente darf nicht geduldet werden!
Schließt euch am 11.01. unserer Demonstration an, denn es ist notwendig, dass wir auf der Straße zeigen, für welche Gesellschaft wir einstehen. Für eine Gesellschaft, die Menschenwürde an erste Stelle setzt. Für eine Gesellschaft, die Empathie als wertvolles Gut ansieht. Und für eine Gesellschaft, die sich rechter Hetze konsequent entgegenstellt.

Kommt am 11.01.2016 zur antifaschistischen Demonstration. Treffpunkt ist um 17.00 Uhr am Studentenclub „Kiste“.

Kein Bock auf Nazis

Zum Umgang mit Nazis auf Veranstaltungen

Anfang Juni begrüßte Greifswald Prof. Dr. Lann Hornscheid (HU Berlin) zu einem Vortrag über die Vision einer diskriminierungsfreien Sprache. Statt jedoch neueste Sprachveränderungsvorschläge diskutieren zu können, sahen sich einzelne BesucherInnen genötigt die Veranstaltung frühzeitig zu verlassen, da es offensichtlich nicht im Interesse der VeranstalterInnen schien einen bekennenden Burschenschafter und Neonazi aus selbiger zu entfernen. Ein derartiger Umgang mit Nazi-Aktivisten stößt bei uns auf Unverständnis und soll Anlass für folgenden Text sein.
Immer wieder nutzen Neonazis Vorträge, Workshops – diverse Veranstaltungsformate linken und emanzipatorischen Charakters – um Informationen über politische GegnerInnen zu sammeln. Personen die von ihnen als Feindbilder ausgemacht werden, werden anschließend verfolgt, fotografiert, ausspioniert und nicht selten kommt bzw. kam es in der Vergangenheit auch in Greifswald zu gewaltätigen Übergriffen durch Neonazis! Durch die Duldung extrem rechter Personen durch die VeranstalterInnen entsteht also eine unnötige Bedrohungssituation, Menschen werden eingeschränkt und bedrängt.
Weiterhin dienen diese „Besuche“ der so genannten „Wortergreifungsstrategie“ der NS-Szene. Diese propagierte der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt eigens in seiner Rede zum Bundesparteitag 2004: „Drängen wir ihnen unsere Gedanken auf, ja zwingen wir sie dazu, sich mit uns, unseren Forderungen und Zielsetzungen zu beschäftigen.“ Nach außen wird dieses Vorgehen als gewöhnliche Teilnahme am demokratischen Meinungsbildungsprozess verkauft. Es sollte jedoch auf der Hand liegen, dass den menschenverachtenden und der Meinungsfreiheit grundsätzlich feindlich gesonnenen Positionen von Neonazis kein Forum zu bieten ist.
Wir möchten an dieser Stelle Veranstalter_innen dafür sensibilisieren, bereits am Eingang darauf zu achten, dass sich keine Neonazis unter das Publikum mischen. Wenn dies in der Veranstaltungsankündigung eindeutig formuliert ist, ist es einfach: ohne Probleme sind sie des Veranstaltungsortes zu verweisen.

 Wer kein Bock auf Nazis hat, sollte auch danach handeln!

Demonstration der Refugees aus Güstrow

Aufruf zur solidarischen Teilnahme

In den vergangen Monaten ist es in der mecklenburgischen Kleinstadt Güstrow immer wieder zu rassistischen Anfeindungen, Kundgebungen und Demonstrationen gekommen. Federführend wirkte dabei der NPD-Kreistagsabgeordnete Nils Matischent. Nachdem die örtlichen Kameraden bereits im Herbst 2014 mit immer den gleichen Kundgebungen geistige Brandstiftung betrieben haben und zu einer Demonstration am 18. Oktober 2014 etwa 100 Rassist*innen mobilisieren konnten, plante der regionale Ableger von „PEGIDA“, damals noch „ROGIDA“, einen Aufmarsch Anfang Dezember. Dieser erste Versuch war ein Desaster. Unzurechnungsfähige Neonazis verschreckten angereiste rassistische Bürger*innen. Was in Güstrow begann, konnte sich später in Stralsund und Schwerin als „MVGIDA“ konsolidieren und dabei zeitweise Mobilisierungserfolge erzielen. Für die Güstrower Schlägerbande um Matischent und etliche weitere Neonazis aus Mecklenburg-Vorpommern eine willkommene Gelegenheit sich den gemeinen, bürgerlichen Rassist*innen anzubiedern.
Während „MVGIDA“ nach und nach an Fahrt verlor, wurde in Güstrow unablässig weiter gehetzt. Müßig wäre es, all die kleinen Kundgebungen aufzuzählen, zu erwähnen ist aber die Demonstration vom 21. März 2015, welche erneut über 100 rassistisch motivierte Menschen auf die Straße brachte und sich unter allseits bekannten neonazistischen Parolen durch die Stadt wälzte.
Gleichzeitig versuchten Matischent und Kameraden eine rassistische Bürgerwehr zu etablieren, rotteten sich zusammen und zogen an verschiedenen Abenden bewaffnet durch die Straßen. An diese Erfolge anknüpfend, probte „MVGIDA“ einen Monat später ein letztes Aufbäumen und kehrte in die Barlachstadt zurück. Dort zerbrach die Bewegung jedoch am Widerstand eines Bündnisses aus verschiedenen Akteuren, die geeint waren durch das Ziel, sich mit den Betroffenen der rassistischen und neonazistischen Mobilmachung zu solidarisieren. „MVGIDA“ hat danach nur noch einen letzten Auftritt in Schwerin und auch um die Neonazis in Güstrow ist es ruhig geworden. Durch couragiertes Handeln, langen Atem und wiederkehrende Intervention ist es gelungen, den rassistischen Umtrieben Grenzen zu setzen. Dies darf jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass die Probleme nicht gebannt sind. Eine Eindämmung bedeutet keine Lösung und die Rassist*innen sind genauso gefährlich wie zuvor.

Daher ist es umso mehr zu begrüßen, dass die Betroffenen der rassistischen Stimmungsmache und Gewalt sich nun selbst zu Wort melden und auf ihre Belange aufmerksam machen. Am 30. Mai 2015 rufen Geflüchtete aus den Unterkünften in Güstrow zu einer Kundgebung um 13.30 Uhr am Rathaus in Güstrow auf. Anschließend wird es eine Demonstration bis zur Asylsuchendenunterkunft in der Südstadt geben. Dort erwartet die Teilnehmenden der Demonstration und alle weiteren Interessierten ein Infonachmittag. Ziel der Aktionen ist es, auf die Situation geflüchteter Menschen in Güstrow aufmerksam zu machen und einen Austausch zwischen den Asylsuchenden und der weißen Mehrheitsgesellschaft anzustoßen.

Wir rufen hier als AntirassistInnen und AntifaschistInnen dazu auf, nach Güstrow zu fahren und die von Rassismus Betroffenen zu unterstützen. Das Bewusstsein, einer privilegierten, weißen Mehrheitsgesellschaft anzugehören, muss den Anspruch zur Folge haben, diese Privilegien zu hinterfragen und gleichzeitig zu nutzen, um denjenigen zur Seite zu stehen, die im kapitalistischen System als erstes durch die Maschen des sogenannten sozialen Netzes fallen.
Es ist wichtig, sich den Aufbegehrenden solidarisch zur Seite zu stellen. Die, durch das kapitalistische System verursachten, sozialen Risse können nicht durch Nationalismus und Rassismus geschlossen werden. Eine Beantwortung sozialer Fragen mit nationaler und rassistischer Argumentation darf nicht geduldet werden! Die einzige Antwort kann die Solidarität sein.
Lasst uns gemeinsam zur Demo der Refugees fahren und unsere Solidarität auf die Straße tragen.
Lasst uns aber auch in der Praxis solidarisch handeln. Nutzt die Angebote der Geflüchteten, euch zu informieren, redet mit den Menschen, vernetzt euch und haltet Ausschau nach Möglichkeiten die Leute sinnvoll zu unterstützen.

30.05.2015 | 13.30 Uhr | Rathaus Güstrow

Keine Zukunft für Nazis

TDDZ in Neuruppin verhindern!

Am 6. Juni 2015 planen Neonazis in der brandenburgischen Stadt Neuruppin ihre seit 2009 jährlich stattfindende Kampagne zum sog. „Tag der deutschen Zukunft“ (TDDZ) fortzusetzen. In diesem Rahmen wollen sie einerseits durch Anheizen rassistischer Denkmuster an bestehende Ressentiments und die rassistische Stimmungen in Teilen der Gesellschaft anknüpfen und andererseits eine Drohkulisse gegenüber Migrant_innen und Geflüchteten aufbauen.

Dafür engagieren sich die lokal ansässigen Strukturen der „Freien Kräfte Neuruppin/ Osthavelland“. Sie wollen mit diesem Großaufmarsch, bei dem bis zu 500 Teilnehmer_innen erwartet werden, an vergangene neonazistische Veranstaltungen in Neuruppin anknüpfen und ihre Position in der Region Nordwestbrandenburg festigen.

Der Tag stellt den Höhepunkt einer bereits laufenden Reihe von Versammlungen und Aktionen dar. Dabei wird jede Gelegenheit genutzt, um sich in Szene zu setzen und Anhänger_innen zu mobilisieren. Es ist mit einem der größten Aufzüge seit den jährlichen Märschen im brandenburgischen Halbe zu rechnen.

Wir wollen dies nicht hinnehmen und rufen alle engagierten Antifaschist_innen dazu auf, gemeinsam den Neonazis entgegen zu treten und den TDDZ durch Menschenblockaden scheitern zu lassen.

Infoveranstaltung für Greifswald: 02.06.2015 | 20.00 Uhr | Klex (Lange Straße 14)
Bustickets für eine gemeinsame Anreise gibt es zu den gängigen Öffnungszeiten im Ikuwo (Goethestraße 01)

Setzen wir uns für ein solidarisches Miteinander, Chancengleichheit und freie Entfaltungsmöglichkeit für alle Menschen ein. Eine “Zukunft” voller Ausgrenzung und Unterdrückung muss verhindert werden!

Kommt am 6. Juni 2015 nach Neuruppin und lasst uns gemeinsam dem TDDZ blockieren.
Keine Zukunft den Nazis!

Am 1. Mai nach Neubrandenburg

Vielfalt statt Faschismus – 1. Mai Neubrandenburg Nazifrei

Der 1. Mai ist der Tag, an dem weltweit Menschen für gleiche Rechte, eine gerechte Arbeitswelt und freies, selbstbestimmtes Leben auf die Straße gehen – ein Kampftag für die soziale und ökonomische Befreiung der Arbeiter_innenklasse.
An diesem Tag wollen NPD und Kameradschaften in Mecklenburg-Vorpommern nun wieder einmal den 1. Mai nationalistisch umdeuten und vereinnahmen.
Neonazis treten am 1. Mai nicht für ein solidarisches Miteinander im Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung ein, sondern nutzen die existentiellen Ängste der Bevölkerung (z.B. die Sorge vor Verlust der Lohnarbeit) um ihre rassistische und nationalistische Ideologie als vermeintlich einfache Lösung komplexer Sachverhalte darzustellen. Sie reduzieren den 1. Mai, auf einen 1933 von Hitler eingeführten gesetzlichen “Feiertag der nationalen Arbeit”. Das lassen wir nicht zu!
Wie auch an jedem anderen Tag des Jahres, wendet sich unser politischer Kampf gegen die faschistische Ideologie der Ungleichwertigkeit, die die Menschen gegeneinander aufhetzt. Wir kämpfen für eine Gesellschaft des selbstbestimmten Lebens und des solidarisch bestimmten Handelns, das frei ist von Mechanismen der Ausgrenzung und jeglichen Herrschaftsverhältnissen. Eine solche kann es mit Nazis niemals geben!

Darum will das Bündnis Neubrandenburg Nazifrei dem geplanten Naziaufmarsch in der Neubrandenburger Oststadt eine entschlossene Demonstration entgegensetzen.
Wir rufen alle Menschen dazu auf, sich zu beteiligen und somit den Nazis nicht die Deutungshoheit über den Kampf- und Feiertag der Arbeiter_innenbewegung zu überlassen.

Schaffen wir am 01. Mai 2015 in Neubrandenburg gemeinsam einen breit aufgestellten zivilgesellschaftlichen Widerstand, um den Nazis klar zu machen, dass sie und ihre Ideen weder hier noch anderswo erwünscht sind oder geduldet werden.

Ignorieren hilft nicht!
Stellen wir uns solidarisch und offensiv den Nazis entgegen!

Gemeinsam für eine solidarische Gesellschaft!

1. Mai – Neubrandenburg Nazifrei!

(Aufruf von nbnazifrei.blogsport.eu)

Antifa Wandertag Schwerin

MVGIDA ein Ende setzen

Was als ROGIDA in Güstrow mit einem Haufen betrunkener Neonazis und Anzeigen wegen Hitlergrüßen begann, hat sich unter dem Label MVGIDA zu einer wöchentlichen Nazidemonstration, abwechselnd in Schwerin und Stralsund, entwickelt.

Der feine Unterschied

Anders als bei den PEGIDA-Märschen in Dresden bleiben rassistische Bürger_innen zwar zu Hause, dafür zeigen sich Nazis aus dem Umfeld von Kameradschaften, NPD-Abgeordnete, Reichsbürger_innen und 90er-Jahre Skinheads mal ganz ungehemmt – und immer noch betrunken. Im Gegensatz zu anderen Städten, in denen GIDA-Aufmärsche stattfinden, ist es bisher aber in Mecklenburg-Vorpommern noch nicht gelungen, diese zu blockieren. Woche für Woche machen sich Antifaschist_innen auf den Weg. Allerdings sehen sie sich einem Polizeiaufgebot ausgesetzt, dessen einziges Interesse die Durchsetzung des Naziaufmarsches und die Kriminalisierung der Gegenproteste ist.

One more time

Neonazis, ob nüchtern oder betrunken, kotzen uns an! Wenn sie dann auch noch im nationalen Taumel zu Hunderten durch die Straßen ziehen und rassistische Parolen schreien, werden wir das ganz sicher nicht als Normalzustand akzeptieren. Genausowenig werden wir uns damit abfinden, dass die Polizei in Schwerin oder Stralsund zeitweise nationalbefreite Zonen durchsetzt. Wir wissen: weder von Polizei noch von anderen staatlichen Institutionen ist Unterstützung zu erwarten, also müssen wir selbst für das Ende von MVGIDA sorgen. Unterstützen wir die Menschen, die sich seit Wochen den Nazis und der Polizei entgegenstellen, und beenden wir den Quatsch!

Kommt am 09.03. nach Schwerin!
Bildet Banden!
Antifa in die Offensive!

GROßER PROTEST GEGEN MVGIDA

Der regionale PEGIDA-Ableger marschierte am vergangenen Montag in Mecklenburg-Vorpommern auf. In Schwerin und Stralsund gingen ihre Anhänger_innen auf die Straße. In beiden Städten formierte sich aber auch ungeahnte Gegenwehr. Auch in Rostock demonstrierten Menschen gegen die GIDA-Bewegung. Überschattet wurden die Proteste von Neonazigewalt.

Erfolgreicher Widerstand und Neonazigewalt in Stralsund

In der Hansestadt am Sund stellten sich hunderte Menschen dem rassistischen Aufmarsch in den Weg. Schon vor Beginn der Veranstaltung ließ sich erahnen, dass die Polizei keinerlei Trennungskonzept vorbereitet hatte. So liefen anreisende Teilnehmer_innen und bereits wartende Gegendemonstrant_innen direkt aneinander vorbei oder standen sich gegenüber, es herrschte Verwirrung und manch ein_e MVGIDA-Symphatisant_in landete zunächst bei der falschen Gruppe. Erste rhetorische Perlen („Dann geht doch hin nach euern Islam!“) wurden von den selbsternannten „Islamkritikern“ zum Besten gegeben. Bereits nach wenigen Metern musste die rechte Demonstration, angeführt von Neonazi-Kadern aus Vorpommern, das erste Mal stoppen. Hier standen sich nun Neonazis und Gegendemonstrant_innen teilweise ohne polizeiliche Trennung gegenüber, es kam zu verbalen Auseinandersetzungen und ersten körperlichen Attacken auf nicht-rechte Menschen. Nach einem kurzen Versuch, die Demonstration weiter gehen zu lassen, ließ die Polizei den rassistischen Marsch umdrehen und führte die Teilnehmer_innen eine andere Route entlang. Der antifaschistische Protest folgte dem Aufzug und konnte seinem Unmut lautstark Ausdruck verleihen. Im weiteren Verlauf standen sich Antifaschist_innen und Neonazis aufgrund der nun ganz offensichtlich vollkommen konzeptlosen Polizeikräfte erneut ohne Barriere gegenüber, es kam zu weiteren, heftigeren Angriffen durch Neonazis, ehe sich der Gegenprotest gesammelt hatte und die MVGIDA-Demonstration ein weiteres mal stoppen und umdrehen musste.

Die Bewertung der Geschehnisse in Stralsund muss aus antifaschistischer Sicht insgesamt positiv ausfallen: viele Menschen aus den verschiedensten Spektren haben sich mutig offensichtlich gewaltbereiten Neonazis in den Weg gestellt und die MVGIDA- Demonstration so, wie sie geplant war, verhindert, wenn auch durch die Inkaufnahme von Verletzungen. Inhalte konnte MVGIDA in Stralsund keine vermitteln, deutlich wurde nur, dass es sich hierbei keineswegs um eine Veranstaltung besorgter Bürger_innen, sondern um eine Demonstration der neonazistischen Szene mit Bürger_innenbeteiligung handelte. Die Strukturen wurden von organisierten Neonazis gestellt, viele bekannte Neonazikader aus Vorpommern, der Kameradschaftsszene Stralsunds, sowie des Ordnerdienstes der NPD waren unter den Demonstrant_innen. Parallelen lassen sich hierbei zu der schon etwas älteren extrem rechten Strategie, vermeintliche Bürger_inneninitiativen als Mittel für Propaganda zu nutzen, ziehen.

Die Vorbereitung und Durchführung der polizeilichen Arbeit an diesem Tag zeugt entweder von Inkompetenz oder fehlendem Willen seitens der Polizei, neonazistische Gewalttäter_innen im Zaum zu halten. Offensichtlich unterbesetzt und überfordert muss sie sich die Frage gefallen lassen, wie man das Gewaltpotential, das von einer Demonstration bekannter, gut organisierter und gewaltbereiter Neonazis aus Vorpommern ausgeht, unterschätzen kann. Hier zeigt sich die auch nach dem Auffliegen des NSU- Skandals fortgesetzte Ignoranz der Sicherheitsbehörden gegenüber der Gefährlichkeit der rechten Szene. Zudem ignorierten die eingesetzten Polizist_innen teilweise Übergriffe auf Gegendemonstrant_innen.

Besonders hervor taten sich drei Zivilbeamte aus Stralsund, die von Beginn an offensichtlich gewaltbereit und provokativ auftraten. Diese schlugen später mit Teleskopschlagstöcken auf Gegendemonstrant_innen ein und verletzten so auch einen Antifaschisten, als dieser bereits am Boden lag. Ein Video zeigt den Vorfall. Die Zivilpolizisten sind keine Unbekannten: bereits im Dezember 2013 traten sie provozierend und Gewalt androhend im Vorfeld eines Konzertes der Band Feine Sahne Fischfilet in Greifswald in Erscheinung.

Bei aller berechtigter Kritik an der Arbeit der Polizei kann es aber nicht das Hauptaugenmerk radikal linker Politik sein, die Polizei an ihre Aufgaben zu erinnern. Vielmehr hat sich in Stralsund bestätigt, was man als linker Mensch sowieso schon wissen sollte: dass man sich niemals auf die Polizei verlassen darf und die Organisation antifaschistischen Selbstschutzes nach wie vor unerlässlich und notwendig ist.

Großer Protest gegen MVgida in Schwerin

Auch in Schwerin gingen zahlreiche Menschen gegen MVGIDA auf die Straße. Etwa 1000 waren es wohl letztlich, bürgerliche Medien berichten sogar von bis zu 1600 Menschen. Eine antifaschistische Versammlung der „Schweriner gegen die Idiotisierung des Abendlandes“ im Alten Garten lag direkt neben dem Auftaktort von MVGIDA. Die zunächst etwa 250 Rassist_innen bekamen kurz vor Beginn der Veranstaltung Unterstützung von etwa 80 weiteren Neonazis. Die näherten sich der antifaschistischen Kundgebung unter Parolen wie „Antisemiten kann man nicht verbieten!“ und „Wir kriegen euch alle!“. Wenig später entzündete der Neonazimob Fackeln, wie man es von regionalen faschistischen Aufmärschen kennt.

Der Marsch der MVGIDA konnte nach der Startkundgebung nicht die gewünschte Route einschlagen, da diese durch Gegendemonstrant_innen besetzt war. Über einen Umweg gelangten die Rassist_innen auf ihre angemeldete Strecke, dabei kam es zu kurzem direktem Kontakt zwischen den Versammlungen. Im weiteren Verlauf entwickelte sich eine Gegendemonstration, die dem rassistischen Haufen in geringem Abstand folgte. Zahlreiche mehr oder minder bekannte Neonazis nahmen an dem Umzug teil. So etwa die NPD Landtagsabgeordneten Udo Pastörs und Stefan Köster und auch der bundesweit bekannte Thomas „Steiner“ Wulff. Der Charakter der Veranstaltung erinnerte stark an Aufmärsche der rechten Szene im Bundesland. Guten Gewissens kann hier ebenfalls von einer Neonazidemonstration mit Bürger_innenbeteiligung gesprochen werden.

Der Protest gegen MVGIDA in der Landeshauptstadt riss über den ganzen Abend nicht ab. Auch hier waren die Polizeikräfte völlig überfordert, hielten sich aber mit den üblichen Gewaltausbrüchen gegen Antifaschist_innen zurück. In der verwinkelten Altstadt von Schwerin gelang es Gruppen von Gegendemonstrant_innen immer wieder bis auf wenige Meter an den Marsch heran zu kommen. Lautstarker Unmut störte die Redebeiträge der Rassist_innen den ganzen Abend über empfindlich. Nach Auflösung des Marschs am verdunkelten Schweriner Schloss, in dem lediglich die NPD-Büros hell erleuchtet waren, gingen abziehende Neonazis auf eine kleine Gruppe Gegner_innen los, dabei kam es zu gewalttätigen Übergriffen gegen diese.

Proteste auch in Rostock

Auch in Rostock versammelten sich auf verschiedenen Veranstaltungen erneut hunderte Menschen unter dem Motto „Rostock für Alle!“. Medienberichten zu Folge beteiligten sich an einer Demonstration sogar bis zu 2000 Menschen, andere Beobachter_innen sprechen von etwa 1000 Teilnehmer_innen. Während der Auftaktkundgebung am Brink wurden Redebeiträge verlesen. Am Hauptbahnhof setzte der Demozug reisefreudige Antifaschist_innen zur Fahrt nach Schwerin ab. Die Veranstaltung endete mit einer Kundgebung am Kröpeliner Tor. Mehr Informationen zu den Veranstaltungen in Rostock finden sich bei Kombinat Fortschritt.

Die ursprünglich für Montag geplante MVGIDA-Demonstration in der Hansestadt war im Vorfeld vom Anmelder abgesagt worden, nachdem hier bereits am vorherigen Montag präventiv rund 500 Menschen gegen MVGIDA auf die Straße gingen.

Es wird weitergehen

Auf Facebook sprechen die Organisator_innen schon kurz nach den rassistischen Aufmärschen dennoch von einem Erfolg. In einer ersten Meldung geben sie für Stralsund 500, für Schwerin sogar 1000 Teilnehmer_innen an. So viel zum Thema „Lügenpresse“. In einer Mitteilung jammern sie über die starken antifaschistischen Proteste gegen ihre Aktionen und stellen die gewalttätigen Übergriffe durch Marschierende und Ordner_innen auf Gegendemonstrant_innen als Notwehr dar. Eine Projektionsleistung der besonderen Art ist auch ihr Zirkelschluss, dass die paar hundert Rassist_innen, die ihrem Ruf folgten, bewiesen, dass die Menschen in MV jetzt endlich bereit seien ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrzunehmen. Ihre Versammlungen in Schwerin und Stralsund ließen keinen Zweifel daran, dass MVGIDA eher eine Neonaziplattform ist, der sich bisher unorganisierte rechte Bürger_innen anschließen, als anders herum. Eine ausführliche Einschätzung über den PEGIDA-Ableger ist bei Kombinat Fortschritt zu finden. Für die kommenden Wochen hat MVGIDA bereits weitere Veranstaltungen angekündigt.

Am Montag, den 19. Januar wird es für Mecklenburg-Vorpommern nur eine MVgida-Veranstaltung geben. In Stralsund.

(Ein Bericht der Antifa Rostock und Defiant)