Wir machen den Sack zu

MV fährt 2mal nach Dresden

Das Bündnis Greifswald-Nazifrei ruft neben vielen anderen Gruppen dazu auf auch 2012 wieder nach Dresden zu fahren, um den Nazigroßaufmarsch zu verhindern. Aus MV werden am 13., sowie am 18. Februar Busse fahren, für die ihr euch natürlich auch in Greifswald Tickets erwerben könnt. Wir unterstützen den Aufruf des Bündnisses Greifswald-Nazifrei:

Let’s do it again!

Auch dieses Jahr heißt es im Februar wieder ” Blockieren, bis der Naziaufmarsch Geschichte ist” und auch dieses Jahr macht Mecklenburg-Vorpommern sich auf den Weg nach Dresden.

„Jetzt machen wir den Sack zu”

Bereits zwei aufeinanderfolgende Jahre ist es nun schon gelungen den einst größten Naziaufmarsch in Europa erfolgreich zu blockieren. Jahrelang wurde die Bombardierung Dresdens von alten und neuen Nazis instrumentalisiert, um durch Geschichtsrevisionismus einen Mythos um die „unschuldige Stadt” zu spinnen und ihre menschenverachtende Ideologie auf die Straßen und somit auch in die Köpfe der Gesellschaft tragen zu können.
Folgten dieser regressiven Vorstellung zu Spitzenzeiten noch bis zu 7000 Anhänger, so wird spätestens in diesem Jahr deutlich, die erfolgreichen Blockaden zeigen Wirkung, die Frustration auf Seiten der Nazis scheint nicht mehr übersehbar. Im letzten Jahr halbierte sich bereits ihre Teilnehmerzahl, und 2012 fehlt es sogar an erkennbarer Mobilisierung.
Was viele für unmöglich gehalten hatten, scheint nun in greifbarer Nähe. Ziviler Ungehorsam und das Engagement tausender Menschen haben gezeigt, dass es möglich ist Nazis und ihrem menschenverachtenden Weltbild etwas entgegenzusetzen.

„Unsere Vielfalt ist unsere Stärke”

Auch wenn durch die offiziellen Veranstalter der letzten Jahre keine offenkundige Mobilisierung der Nazis zu erkennen ist, solidarisiert sich das Bündnis „Greifswald Nazifrei” mit den friedlichen Massenblockaden und ruft alle Greifswalder_innen dazu auf.
Wir fahren sowohl am 13.02. als auch am 18.02. nach Dresden, um einen breiten zivilgesellschaftlichen Widerstand vor Ort zu unterstützen und den Nazis auch dieses Jahr keinen Fußbreit zu lassen.

Wichtige Termine

02.02. // AKJ Rechtsinfos + Ticketverkauf // IKuWo // 21 Uhr
08.02. // Hedonistischtennis + Ticketverkauf // IKuWo // 21 Uhr
09.02. // Mobiveranstaltung “Dresden-Nazifrei” + Ticketverkauf // IKuWo // 21 Uhr
13.02. // MV fährt nach Dresden!
18.02. // MV fährt noch einmal nach Dresden!


Greifswald-Nazifrei
| MV-Nazifrei | Dresden-Nazifrei

Neonazis stören Holocaust-Gedenken in Greifswald

Pressemitteilung vom 29.01.2012

Neonazis stören Holocaust-Gedenken in Greifswald
Flugblätter verhöhnen Opfer des Nationalsozialismus

Wie vielerorts wurde in Greifswald am 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, an die nationalsozialistischen Verbrechen erinnert und ihrer Opfer gedacht. Über hundert Gäste waren der Einladung der Universität, der Stadt und dem Kulturreferat für Pommern ins Pommersche Landesmuseum gefolgt. Greifswalder Neonazis nahmen die öffentliche Gedenkveranstaltung zum Anlass, mit revisionistischen Flugblättern ihre ideologische Nähe zum Nationalsozialismus zu demonstrieren und die Opfer der NS-Verbrechen zu verhöhnen.

Unverhohlen werden in den Flugblättern der „Nationalen Sozialisten Greifswald” (NSG) die deutsche Kriegsschuld geleugnet und Nationalsozialisten zu Freiheitskämpfern stilisiert. Von „Märchen [...] der ewigen deutschen Schuld”, „verfälschter Geschichts-” und „antideutscher Lügenpropaganda” ist wahlweise die Rede. Während man „Greueltaten [sic!] der Besatzer” bejammert, schweigt man systematisch von deutschen Kriegsverbrechen und dem Holocaust. Der Opfer der Nazis entledigte man sich bereits einleitend, indem man ihren Opferstatus mithilfe von Anführungsstrichen negierte. Unmittelbar nach dem Versuch, die Hetzschriften im Publikum zu verteilen, wurde die Gruppe um Marcus G. der Veranstaltungsräume verwiesen.

Im vergangenen Jahr machten Neonazis in Greifswald und Umgebung regelmäßig mit Schmierereien, Hetzjagden und Brandanschlägen auf sich aufmerksam. Die NSG wird häufig mit derlei Gewalt- und Propagandadelikten in Verbindung gebracht. Am Holocaust-Gedenktag hatte die Polizei die Neonazis jedoch offenbar nicht im Visier. Dabei hätte es wohl ungeachtet möglicher strafbarer Inhalte eine rechtliche Handhabe zum Vorgehen gegeben, da die verteilten Flugblätter unter falschem Impressum firmierten. Laut Landespressegesetz kann diese Ordnungswidrigkeit mit einer hohen Geldbuße geahndet werden.

Auch in Rostock und Burg Stargard spähten Neonazis am 27. Januar Gedenkkundgebungen aus, um sich anschließend im Internet in „Schuldkult”-Rhetorik zu üben, eine „Anti-Rechts-Industrie” herbeizureden und eine hohe Polizeipräsenz zu beklagen. „Neonazis versuchen immer wieder durch ihre Präsenz Menschen einzuschüchtern und unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit die Geschichte zu relativieren. Die widerliche Hetze der Neonazis zeigt, wie aktuell und notwendig die Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte ist”, so Katharina Lang von der Antifa-Gruppe Defiant: „Die menschenverachtende Ideologie alter und neuer Nazis hat im öffentlichen Raum keinen Platz. Das engagierte Eingreifen der Anwesenden bei der Gedenkveranstaltung in Greifswald verdient daher großen Respekt.”

Seit Ende der 1990er Jahre wird der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in Greifswald mit Vorträgen und Diskussionsrunden begangen. In diesem Jahr widmeten sich die Vorträge thematisch der NS-Zwangsarbeit. Die Zahl der Frauen, Männer und Kinder aus allen Teilen Europas, die unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit verrichten mussten, wird auf etwa 20 bis 25 Millionen geschätzt. Der Großteil der Betroffenen erhielt nie eine Entschädigung. Die vorgestellten Forschungsergebnisse machten zudem deutlich, dass der Einsatz von Zwangsarbeiter_innen auch in Greifswald allgegenwärtig war.

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland

Aufruf zur antifaschistischen Demonstration

Was sich in Deutschland abspielt, ist unerträglich. Dreizehn Jahre lang konnten drei Thüringer Nazis ungestört durch die Republik reisen, Banken überfallen, Sprengstoff-Attentate verüben und Menschen ermorden. Ihre Opfer waren Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und die Polizistin Michèle Kiesewetter. Die Morde der Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) wurden nur durch einen Zufallsfund nach dem Tod der beiden Nazis Böhnhardt und Mundlos im November 2011 aufgedeckt. Seitdem erfährt die Öffentlichkeit stückchenweise grauenhafte Details über die gezielte Hinrichtung von Migranten in ihren Geschäften, eine Nagelbombe in Köln-Mülheim und andere Anschläge eines Netzwerkes, von dem bisher nicht einmal abzusehen ist, wer ihm außer Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt noch angehört. Das ganze Ausmaß des Terrors ist noch nicht ersichtlich – möglicherweise steckt die Gruppe auch hinter einer Serie von Brandanschlägen in Völklingen und einem antisemitischen Bombenanschlag in Düsseldorf-Wehrhahn.

Erschreckend ist in diesem Kontext auch das Verhalten der deutschen Sicherheitsbehörden, für das Worte wie „Versagen“ offensichtlich zu harmlos sind. Bereits jetzt liegt offen zu Tage, dass die Behörden tief in den Terror des NSU verstrickt waren. Zudem wussten offenbar weite Teile der rechtsradikalen Szene nicht nur von der Mordserie, sondern auch, wer dahintersteckte. Erst kürzlich räumte der Verfassungsschutz in einem geheimen Untersuchungsbericht ein, mindestens bis zum Jahr 2000 über den Aufenthaltsort und die kriminellen Aktivitäten der NSU informiert gewesen zu sein. Es ist daher kaum vorstellbar, dass die Sicherheitsbehörden wirklich erst jetzt erfuhren, dass es im Untergrund eine Gruppe mordender Nazis gab. Es ist also nicht nur so, dass deutsche Sicherheitsbehörden „auf dem rechten Auge blind“ sind, es ist viel schlimmer: Die Grenzen zwischen Verfassungsschutz und militanter Naziszene verlaufen in manchen Gegenden dieses Landes scheinbar fließend. Insbesondere dort, wo die vom Verfassungsschutz eingesetzten V-Leute nicht nur keine brauchbaren Informationen zu der untergetauchten Nazi-Terrorgruppe lieferten, sondern mit Hilfe der staatlichen Zuwendungen maßgeblich am Aufbau von Nazistrukturen beteiligt waren, wie beispielweise in Thüringen.

Helmut Roewer, ehemaliger Präsident des Verfassungsschutz in Thüringen, schreibt heute für den antisemitischen und geschichtsrevisionistischen Ares-Verlag. Unter seiner Präsidentschaft konnten Mundlos, Zschäpe und Böhnhardt unbehelligt abtauchen. In diesem Zusammenhang darf nicht vergessen werden, dass es überzeugte Nazis und SS-Leute waren, die nach 1945 die deutschen Geheimdienste aufgebaut haben. In dieser Tradition kommt die Gefahr aus Sicht von BKA, Verfassungsschutz und BND bis heute nicht von rechts, sondern von links. Ein neuer Ausdruck dessen ist die Extremismusformel, die linke bzw. linksradikale Politik mit rechtsradikaler Gewalt gleichsetzt und beiden die “demokratische Mitte” gegenüberstellt. Ausgeblendet wird hierbei nicht nur der Unterschied zwischen faschistischer Gewalt und dem emanzipatorischen Kampf um bessere Verhältnisse, sondern auch die tiefe Verankerung menschenverachtender Ideologien, wie Rassismus, Antiziganismus und Antisemitismus, sowie weitere Formen gesellschaftlicher Ausgrenzung und Diskriminierung, in der Gesamtgesellschaft.

Auch wenn wir vom Ausmaß des Terrors und vom Ausmaß der Mittäterschaft des Staates entsetzt sind: Im Gegensatz zu Behörden, Politik und weiten Teilen der Öffentlichkeit sind wir als Antifaschist_innen von den Taten des NSU nicht ernsthaft überrascht. Wer wissen wollte, dass es in Deutschland mordende Nazis gibt, wusste es längst. Nicht nur die Pogrome von Hoyerswerda, Solingen und Rostock-  Lichtenhagen machten diese Erkenntnis unumgänglich, sondern auch die Zahl von über 180 Todesopfern nationalsozialistischer Gewalt seit 1990. Netzwerke gewaltbereiter Kameradschaften, die „Wehrsportgruppe Hoffmann“, „national befreite Zonen“, Anschläge wie der auf das Oktoberfest von 1980, Waffen- und Sprengstofffunde im ganzen Land: Die Überraschung über die scheinbar plötzlich einsetzende Nazigewalt ist nur durch Heuchelei oder gut funktionierende Verdrängung zu erklären. Sie zeigt wieder einmal, wie wenig begriffen wird, dass die nationalsozialistische Weltsicht von selbst zu Gewalt und Vernichtung drängt – und wie hoch die Bereitschaft von Staat und deutscher Öffentlichkeit ist, die Gefahr von rechts zu leugnen, herunterzuspielen und zu verharmlosen. Es ist nicht nur so, dass in Deutschland niemand etwas über Nazis wissen will – es sei denn, um sich von ihnen als bessere Deutsche abzugrenzen – und Antifaschisten_innen als Störenfriede und Nestbeschmutzer_innen wahrgenommen werden. Sondern, große Teile dieser Gesellschaft teilen auch die menschenverachtenden Ansichten der Nazis: Der Staat schiebt – auf Grundlage einer völkisch-rassistischen Definition von Deutschen – Menschen ab, große Teile der deutsche Bevölkerung teilen antisemitische Ressentiments und die Angst vor „Überfremdung“, die Bücher eines Rassisten wie Thilo Sarrazin werden zu Bestsellern.

Auch während der Mordserie des NSU wurde das  völkisch-rassistische Selbstverständnis  der deutschen Gesellschaft deutlich: Hinweise von Angehörigen und Freund_innen der Opfer auf einen rechtsradikalen Hintergrund der Taten wurden ignoriert, ein Profiler der Münchner Polizei, der früh auf die Möglichkeit eines rechtsradikalen Hintergrundes der Taten hingewiesen hatte, wurde zum Schweigen gebracht. Die Schuld wurde stattdessen bei den Opfern und ihrer angeblichen Verstrickung in „mafiöse Strukturen“ gesucht. Hinweise, die auf Nazis hindeuteten, wurden systematisch fallengelassen. Die Medien schrieben derweil in rassistischer Art und Weise von „Dönermorden“.

Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus und völkischer Nationalismus sind Alltag in Deutschland. In dem Land, das nach Auschwitz schlichtweg hätte aufgelöst werden müssen, wird bis heute über die Täter_innen von gestern und die Täter_innen von heute geschwiegen. Und jede_r Nazi kann in dem Bewusstsein handeln: Wir schreien das raus, was andere denken. So erklärt sich auch, dass es trotz der schrecklichen Taten des NSU bisher kaum langanhaltende und ernsthafte öffentliche Empörung über die rassistischen Morde und die Verstrickung der Behörden gibt. Ebenso wenig gibt es den politischen Druck, alle Vorgänge lückenlos aufzuklären. Wir befürchten daher, dass die nun herrschende, unerträgliche Ruhe es den deutschen Behörden ermöglichen wird, die eigene Verstrickung in den Naziterror zu vertuschen.

Deshalb gehen wir am 28. Januar auf die Straße, um unser Entsetzen über die Nazimorde, unsere Trauer um die Opfer und unseren Hass auf die deutschen Verhältnisse auf die Straße zu tragen. Wir wissen, dass unsere Forderung nach demokratischer Aufklärung des NSU-Skandals und einer konsequenten Bekämpfung von Nazis und anderen Nationalist_innen bei den derzeitigen Verhältnissen kaum Erfolg haben wird. Das völkische Selbstverständnis dieser Gesellschaft werden wir auch mit dieser Demo nicht kippen können. Aber das wird uns nicht davon abhalten, lautstark darauf aufmerksam zu machen, dass nicht alle in diesem Scheißland ruhig bleiben. Wir wollen die derzeitige Ruhe stören. Wir sagen nicht nur den Nazis, sondern diesem Staat und der ganzen Gesellschaft den Kampf an.

Wir fordern:

  • Ein würdiges Gedenken an die Opfer des Naziterrors und Entschädigungen für ihre Freund_innen und Familien
  • Solidarität mit allen Opfern rassistischer, antisemitischer und antiziganistischer Gewalt
  • Die unabhängige Aufklärung aller Taten der NSU sowie die Offenlegung der Verstrickung des Verfassungsschutzes und anderen Geheimdiensten unter internationaler Beteiligung
  • Einbeziehung der Angehörigen in die Aufklärungsarbeit
  • Ersatzlose Schließung aller Einrichtungen des Verfassungsschutzes
  • Die endgültige Abschaffung Deutschlands

Kein Fußbreit den Nazis! Nie wieder Deutschland!

Weitere Informationen gibt es auf: dertodisteinmeisteraus.de

Zivilcourage = Bildung einer kriminellen Vereinigung?!

„Der heutige Tag ist ein guter Startschuss für die kommenden Wochen und Monate, denn der Kampf gegen die Neonazis braucht das gemeinsame Zusammenhandeln aller und viel Ausdauer.” so weit das abschließende Resümee zur Demonstration vom letzten Samstag in Greifswald unsererseits. Und tatsächlich sind antifaschistisches Engagement und das gemeinsame Zusammenhandeln aller spätestes im Februar schon wieder gefragt, wenn es erneut darum geht, den Neonazis und ihrem Geschichtsrevisionismus in Dresden Steine in den Weg zu legen. Bereits zwei aufeinanderfolgende Jahre ist es nun schon gelungen Europas größten Naziaufmarsch durch Massenblockaden zu verhindern. Die Entschlossenheit tausender Menschen und die Mittel des zivilen Ungehorsams machten es möglich.

Wir werden uns weiterhin bei Versuchen der Kriminalisierung solidarisch zueinander verhalten. so weit das Grundverständnis des Bündnis „Dresden – Nazifrei”.

Das es sich hierbei nicht nur um eine gern gelesene Floskel, sondern um eine Notwenigkeit handelt, verdeutlichen die Bemühungen der Kampagne „Hundertneunundzwanzig e.V.” die sich mit den, seit Anfang 2010 geführten Ermittlungsverfahren, nach §129 („Bildung einer kriminellen Vereinigung”) befasst. Mittels Telekommunikationsüberwachung (TKÜ) und der Ermittlung von Bewegungsprofilen durch die Erfassung von Geokoordinaten, wurden diese gegen 44 Personen in und um Dresden eröffnet. Spätestens die Razzien vom 19. Februar 2011 im „Haus der Begegnung” und in den Vereinsräumen des „Roter Baum e.V.” richteten sich jedoch nicht mehr „nur” gegen die Personen im Ermittlungsfokus, sondern gegen das gesamte Bündnis „Dresden Nazifrei”.

Unter Einbeziehung des allgemeinen politischen Klimas in Sachsen und daraus resultierenden Repressionen möchte die Kampagne „Hunderneunundzwanzig e.V.” nun auch in Greifswald halt machen und euch informieren.

Die Rote Hilfe Greifswald lädt heute deshalb alle Interessierten ins IKuWo ein. Los geht’s um 20.00 Uhr.

Der AKJ berichtet

Demobeobachtung von der Antifa-Demo

 

  • Bei Ankunft von Demonstrierenden am Südbahnhof, erfolgten Maßnahmen gegen einen Demonstranten welcher Nazi-Schmierereien unkenntlich machen wollte. Nach Aufnahme des Sachverhalts durfte der Demonstrant sich jedoch der Demo anschließen.
  • Zu Beginn der Demo hielten die Einsatzkräfte sich im Hintergrund und trugen auch noch keine Helme. Ferner wurde zunächst auch nicht gefilmt.

→ dies machte zunächst Hoffnung auf einen zurückhaltenden Polizeieinsatz und einen entspannten Verlauf.

  • Nachdem vereinzelt Feuerwerkskörper gezündet wurden, drohte die Polizei an, dass, wenn dies nicht unterbliebe sie zu filmen beginnen würde.

→ dies zeugt von einer gewissen Sensibilisierung seitens der Polizei hinsichtlich der Datenerhebung und ist somit positiv zu werten.

  • Bis auf eine kleine Provokation von vermutlich Neo-Nazis an der Ecke Hertz Str. / Lomonossow Allee, nahm die Demonstration zunächst einen reibungslosen Verlauf und auch die Einsatzkräfte hielten sich weiterhin im Hintergrund.
  • In der Anklamer Str. kam es erneut zu Provokationen von am Straßenrand stehenden Nazis. Wegen der daraus resultierenden Unruhe musste die Demonstration zunächst gestoppt werden. Es dauerte ca. 30 Minuten, bis die Demonstration fortgeführt werden konnte. In der Zwischenzeit hatte die Polizei massiv Kräfte zusammengezogen. Insbesondere die Anzahl der Polizeifahrzeuge im direkten Umfeld der Demonstration erhöhte sich schlagartig von ca. 6 auf ca. 30 Fahrzeuge. Einzelne Einsatzkräfte waren mit Pfefferspray/CS-Gas ausgerüstet. Ferner wurde angemahnt Vermummungen abzunehmen und die Einsatzkräfte zogen ihre Helme auf. Außerdem wurde ab diesem Zeitpunkt die Demonstration von der Polizei abgefilmt und ein Polizeihubschrauber war im Einsatz.

→ Die massive Erhöhung der Polizeipräsenz und deren einschüchternde Wirkung sowie das lange Warten ohne erkennbaren Grund verstärkten die Anspannung in unnötiger Weise.

  • In der Makarenkostr. wurde ein Transparent mit der Aufschrift „Nazigewalt stoppen“ von einem Hausdach herabgelassen und ein Feuerwerk gezündet. Daraufhin stürmten mehrere Einsatzkräfte die anliegenden Hauseingänge. Es wurde uns untersagt die Maßnahmen zu begleiten.

→ Gerade das Beobachten von polizeilichen Maßnahmen ist Sinn und Zweck der Demobeobachtung und hat sich schon oft als deeskalierend bewiesen, weshalb nicht einzusehen ist, warum gerade hier die Tätigkeit des AKJ behindert wurde.

  • Am Karl-Liebknecht Ring auf der Höhe Anklamer Str. wurde ein Demonstrant von einer von Einsatzkräften gewaltsam aus der Demonstration herausgezogen und wegen des angeblichen Einsatzes eines Laserpointers in Gewahrsam genommen. Durch die Maßnahme kam er erneut zu Unruhe.

→ Es ist bedauerlich, dass die Polizei nicht zunächst über den sich sehr kooperativ zeigenden Veranstalter aufriefen ließ, die angeschuldigte Tätigkeit zu unterlassen. Stattdessen wirkte das martialische Eindringen von Festnahmeeinheiten eskalierend.

  • In der Karl Krull Str. wurde erneut ein Demonstrant gewaltsam aus der Demonstration entfernt, da dieser sich angeblich vermummt hatte. Das überraschende Eindringen von behelmten Einsatzkräften in den Demonstrationszug sorgte für Unruhe und laute Proteste. Außerdem wurde ein Rauchsatz entzündet.

→ Grundsätzlich ist anzumerken, dass das Herausgreifen einzelner Demonstrierender aus dem Demonstrationszug eine hohe Gefahr von Eskalation birgt. Daher ist insbesondere beim Vorwurf der Vermummung – während wegen der kalten Temperaturen sowieso alle Leute Schal und Mütze tragen – das Herausgreifen Einzelner als unangemessen einzustufen.

  • Im Folgenden war die Stimmung auf beiden Seiten sehr angespannt. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wurde durchgehend gefilmt und der vordere Teil der Demonstration auf beiden Seiten von geschlossenen Polizeiketten begleitet.

→ Hierzu ist anzumerken, dass das Tragen von Transparenten der Verwirklichung der Meinungsäußerung dient, welche durch das Abschirmen durch die Polizei weitgehend vereitelt wird.

  • Das Haus eines stadtbekannten Neonazis in der Wolgaster Str. wurde durch ein massives Polizeiaufgebot sowie mit zwei Wasserwerfen abgeschirmt. Es kam jedoch zu keinerlei Zwischenfällen.
  • An der Ecke Wolgaster Str Ecke Blum Str. wurde ein dritter Demonstrant wegen einer angeblichen Vermummung aus der Veranstaltung gezogen und in Gewahrsam genommen. Dies erfolgte wiederum durch ein plötzliches Eindringen von Einsatzkräften in den Demonstrationszug. Daraufhin musste die Demonstration erneut für ca. 15 Minuten anhalten. Einzelne Demonstrierende beklagten in dieser Zeit Beleidigungen von Seiten der Einsatzkräfte. Dem Verlangen zur Herausgabe von Dienstnummer der Einsatzkräfte wurde nicht Folge geleistet.

→ Hier kann auf die Kritik an den vorigen Ingewahrsamnahmen (insbesondere hinsichtlich des Vorwurfs der Vermummung) verwiesen werden. Zudem fand sie an einem stark frequentierten Ort kurz vor Ende der Demonstration statt. Durch die absehbare Unruhe wurde bei den Passant_innen der Eindruck einer äußerst gewalttätigen Demonstration geweckt, was nicht dem bisherigen Demonsrationsverlauf entsprach. Es drängt sich der Eindruck auf, als ob die Polizei diese Maßnahme bewusst an einem der belebtesten Orte Greifswalds durchgeführt hat, da nicht ersichtlich ist, warum die Maßnahme nicht früher oder später an einem weniger frequentierten Streckenabschnitt hätte vorgenommen werden können.

  • Bei der Abschlusskundgebung zog sich die Polizei schrittweise zurück.
  • Nach Auflösung der Demonstration wurden vereinzelt Feuerwerkskörper auf dem Schießwall gezündet. In der Folge wurden die Personalien einzelner Teilnehmender aufgenommen. Ferner wurden einige durchsucht.
  • Zumindest zwei der in Gewahrsam genommenen Personen waren noch mindestens 45 Minuten nach Ende der Demonstration in Gewahrsam.

→ Spätestens mit Ende der Demonstration bestand keine Wiederholungsgefahr mehr. Ferner hatten die betroffenen Personen ihre Personalien angegeben hatten, sodass kein Grund für das Fortdauern der Ingewahrsamnahmen ersichtlich ist.

via AKJ-Greifswald

Pressemitteilung zur antifaschistischen Demonstration „Zieht euch warm an! Null Toleranz für Nazis – Fight back!” in Greifswald

Die antifaschistische Gruppe Defiant bezeichnet die heutige Demonstration „Zieht euch warm an!” als vollen Erfolg. Zu der Veranstaltung am Südbahnhof hatten auch die Bündnisse „Greifswald Nazifrei” und „Nazis wegbassen”, sowie die Greifswalder Sektionen „H.I.G.H” und „M.u.S.i.K.” der hedonistischen Internationalen aufgerufen. An die 900 Menschen versammelten sich, um gemeinsam auf die neonazistischen Aktivitäten in und um Greifswald aufmerksam zu machen.

„Heute wurde ein deutliches Zeichen dafür gesetzt, dass Greifswald kein Ort für Neonazis ist.” sagte Katharina Lang, Pressesprecherin der Antifa-Gruppe Defiant. „Wir haben die gewalttätigen Übergriffe und Brandanschläge thematisiert, die in den letzten Monaten Greifswalds Straßen zu einem Schauplatz rechter Gewalt machten. Wir haben aber auch aufgezeigt, dass es uns endgültig reicht.”
Vor dem Hintergrund einer zweiten Legislaturperiode der NPD im Schweriner Landtag und damit verbundenen Befürchtungen einer weiter erstarkenden rechten Szene, wurde in Greifswald ein weiteres Mal bewiesen, dass es Menschen gibt, die dazu bereit sind rassistischen Ideologien und einem regressiven Weltbild etwas entgegenzusetzen.

Die dreieinhalb-stündige Demonstration führte unter anderem durch die Greifwalder Stadtteile Schönwalde I und II und somit unter anderem direkt am wiedereröffneten Heim für Asylsuchende vorbei. An dieser Stelle wurde nicht nur einmal mehr die rassistische Asylpolitik der Bundesrepublik Deutschland kritisiert, sondern auch auf die Gefahr eines alltäglichen Rassismus aufmerksam gemacht. Dies ist keine Erscheinung, die sich allein auf einzelne Neonazis beschränkt. Allerdings wird der in der gesamten Gesellschaft anzutreffende alltägliche Rassismus als Türöffner genutzt, um völkisch-nationales Gedankengut gesellschaftsfähiger zu machen.

Die Universitätsstadt hat schon des Öfteren bewiesen, dass es möglich ist gegen neonazistische Strukturen in und um Greifswald vorzugehen. Ein wichtiges Beispiel hierfür sind die erfolgreichen Massenblockaden am 1. Mai diesen Jahres, die jedoch nicht ohne staatliche Repressionen für die Beteiligten ausgingen. Neben Informationen zu lokalen Neonaziaktivitäten und rechts-konservativen Strukturen wurden sowohl Demonstrant_innen als auch Passant_innen auf diesen Umstand aufmerksam gemacht.

Die antifaschistische Gruppe Defiant verurteilt jedoch das Vorgehen der Polizei scharf. Während der Demonstration kam es zu mehreren unnötigen Rangeleien, weil die Polizei Gewahrsamnahmen durchführen wollte. Mitten im Dezember unter dem Vorwand gegen das Vermummungsverbot vorgehen zu wollen, stellt angesichts der Ernsthaftigkeit des aktuellen Themas der Demonstration eine völlig unnötige Provokation dar.
Nichtsdestotrotz war die Demonstration ein voller Erfolg. „Wir sind überrascht und hocherfreut über die eindrucksvolle Beteiligung“ sagte Katharina Lang. „Alles in allem erlebte die Stadt Greifswald heute eine laute und bunte Demonstration, die entschlossen gegen Rassismus, menschenverachtende Ideologien und rechte Gewalt protestierte.“
Der heutige Tag ist ein guter Startschuss für die kommenden Wochen und Monate, denn der Kampf gegen die Neonazis braucht das gemeinsame Zusammenhandeln aller und viel Ausdauer. Wir sind auf einem guten Weg!

3, 2, 1… der Druck steigt

Last Updates

Leute, jetzt ist es wirklich kaum noch auszuhalten. Vorfreude und auch Anspannung steigern sich mittlerweile bis ins Unendliche. Geschlafen wird schon lange nich mehr. Wir rotieren, um uns allen einen unvergesslichen Tag zu bescheren.
Die Mobilisierung läuft seit Wochen auf Hochtouren und entsprechende Reaktionen überraschen selbst uns immer wieder aufs Neue.
So erreichte uns beispielsweise gerade gestern die Nachricht, dass neben den Bündnissen „Greifswald Nazifrei”, „Nazis wegbassen” und den Greifswalder Hedos, nun auch das Stupa ganz offiziell alle Studierenden der Stadt Greifswald dazu aufruft am Samstag die Demonstration durch Anwesenheit zu unterstützen.
In Anbetracht der fortgeschrittenen Jahreszeit haben wir uns natürlich auch um heiße Getränke, ganz konkret um Tee und Kekse während der Demo gekümmert und laden anschließend ein, an warme Töpfe und Pfannen.

So weit, so gut, so hammergeil.

Trotzdem sollen auch Worte der Vorsicht so kurz vor der Demo nicht zu kurz kommen. Neben einem erneuten und durchaus auch ernst gemeinten Hinweis auf die informative Rote Hilfe – Broschüre „Was tun wenn’s brennt?” unsererseits, ist definitiv mit Vorkontrollen durch die Polizei zu rechnen!
Deshalb heißt es an dieser Stelle von uns:
Kommt zahlreich, aber in warmen Klamotten und sicheren Bezugsgruppen; passt auf einander auf.
Wir können es kaum noch erwarten und freuen uns auf eine starke und entschlossene Demonstration in Greifswald.

Ohren auf!

Radio-Interviews mit FSK nun zum Anhören

Am 26. November, sowie am 3. Dezember durften wir dem “Freies Sender Kombinat” einige Fragen beantworten. Wer das live leider verpasst hat, kann sich das Ganze jetzt anhören. Folgt dazu einfach den Links, klickt auf der Seite “play” und schon geht´s los.

Radio-Interview (Teil 1)
Radio-Interview (Teil 2)

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